Wettbewerbszentrale: Klage gegen Aldi Süd

·Freiberufliche Journalistin
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Aldi Süd bezeichnet sich in Prospekten als „Erster klimaneutraler Lebensmitteleinzelhändler“. Das ist irreführend und intransparent, erklärt die Wettbewerbszentrale und hat eine Unterlassungsklage gegen den Discounter eingereicht.

MUNICH, GERMANY - MAY 09: An Aldi Süd sign is seen on May 09, 2021 in Munich, Germany. (Photo by Jeremy Moeller/Getty Images)
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Die fortschreitende Erderwärmung ist eines der größten Probleme unseres Planeten. Unternehmen, die mithelfen, Klimaziele zu erreichen, sind bei den Kunden beliebt.

Nach dem Motto „Tu Gutes und rede darüber“ machen mittlerweile viele Firmen Werbung mit der Aussage „klimaneutral“. So wie sich auch Aldi Süd in seiner Werbung als „Erster klimaneutraler Lebensmitteleinzelhändler“ bezeichnet. Doch das sei irreführend, so die Auffassung der Wettbewerbszentrale. Deshalb hat der gemeinnützige Verein den Discounter und weitere Unternehmen wegen ihrer Werbeaussagen abgemahnt.

Kompensation durch gekaufte Zertifikate

„Klimaneutralität ist zu einem zentralen Thema in der Werbung geworden. Viele Marktteilnehmer gehen bei solchen Angaben davon aus, dass es dem Unternehmen aufgrund maßgeblicher eigener Emissionsvermeidung und -reduzierung gelungen sei, negative Auswirkungen auf das Klima vollständig zu vermeiden, und dass das Produkt oder die Produktion selbst nicht klimaschädlich ist“, erklärt Dr. Tudor Vlah, zuständiger Referent für umweltbezogene Werbung bei der Wettbewerbszentrale.

Tatsächlich seien in den beanstandeten Fällen die Treibhausgasemissionen durch den Kauf von CO₂-Zertifikaten kompensiert worden. Damit handelt das Unternehmen selbst nicht klimaneutral, sondern stellt sich nur rein rechnerisch besser dar.

Preisunterschiede bei Zertifikaten

Mit den gekauften Zertifikaten unterstützen die Unternehmen bestimmte Projekte in Entwicklungs- und Schwellenländern, wie etwa das Pflanzen von Bäumen in Uruguay oder saubere Kochöfen in Ghana. Mit der Herstellung der eigenen Produkte hat dies jedoch rein gar nichts zu tun. Zudem bietet der Markt viele unterschiedliche CO₂-Zertifikate, die sich preislich und in ihrer Wirkungsweise unterscheiden.

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„Auch wenn die Kompensation der Restemissionen bis zur vollständigen Umstellung der Prozesse zur Vermeidung von Emissionen zu begrüßen ist, muss darauf klar hingewiesen werden. Erst dann kann der Kunde eine informierte Entscheidung treffen“, so Vlah.

Abmahnungen in zwölf Fällen

In zwölf Fällen hat die Wettbewerbszentrale bisher Werbeaussagen als irreführend abgemahnt. Sechs der Unternehmen haben sich daraufhin verpflichtet, die entsprechenden Werbeaussagen nicht zu wiederholen. Aldi Süd jedoch nicht. Deshalb haben der Discounter sowie drei weitere Unternehmen nun Unterlassungsklagen kassiert.

Wettbewerbszentrale fordert Transparenz

Die Wettbewerbszentrale fordert bei Werbeaussagen zur Klimaneutralität zudem, dass Unternehmen offenlegen, welcher Teil der CO₂-Einsparungen die eigenen Produkte betrifft und welcher Teil durch den Kauf von CO₂-Zertifikaten kompensiert wurde. Denn das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb verlange von Unternehmen, in der Werbung die wesentlichen Informationen transparent anzugeben, die der Verbraucher für eine informierte Entscheidung benötigt.

„Unternehmen, die ausschließlich oder zum großen Teil Ausgleichsmaßnahmen in Entwicklungsländern vornehmen, dürfen sich keinen unlauteren Wettbewerbsvorteil gegenüber denjenigen Unternehmen verschaffen, die bereits hohe Investitionen in die weitaus zeit- und kostenaufwändigere aber nachhaltigere Umstellung der eigenen Prozesse tätigen. Nur durch klare Transparenz kann ein Innovationswettbewerb um das umweltschonendste Wirtschaften anstelle eines ausschließlichen Kompensationswettbewerbs entstehen“, so Dr. Münker, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied der Wettbewerbszentrale.

Für die Gerichtsverfahren erhofft sich die Wettbewerbszentrale eine grundsätzliche Klärung der Frage, welche Anforderungen für rechtssichere Werbung mit der Aussage „klimaneutral“ gelten.

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