Köln-Raderthal: Ursula Michalke hilft in ihrer Einrichtung Frauen in Notsituationen

Im Elisabeth-Fry-Haus sollen Frauen wieder Struktur in ihr Leben bringen.

Für die junge Schwangere war der Platz im Elisabeth-Fry-Haus in Raderthal die Rettung. Sie hatte vor einiger Zeit schon ihre Wohnung verloren und bei Freunden auf dem Sofa übernachtet. Kurz vor dem errechneten Geburtstermin konnte sie schließlich eines der Zimmer im Frauenhaus der Diakonie beziehen. Sie gehört zu jenen Frauen, die ohne die Hilfe solcher Einrichtungen auf der Straße landen würden. Ursula Michalke leitet das Elisabeth-Fry-Haus seit Januar. „Oft sind die Frauen, die zu uns kommen, isoliert und haben keine Familie, die sie auffängt“, sagt sie. Ihre Einrichtung kümmert sich zwar nicht wie andere Frauenhäuser schwerpunktmäßig um Frauen, die vor gewalttätigen Männern fliehen müssen. Die Frauen, die hier aufgenommen werden, sind aber in Notsituationen.

Dass sie ohne Hilfe keine Wohnung finden, hat auch mit dem angespannten Wohnungsmarkt zu tun. Für das schmucklose Gebäude in einer Raderthaler Nebenstraße steht im Frühjahr eine Sanierung an. Das nehmen Michalke und ihr Team zum Anlass, die Einrichtung neu zu organisieren. Sie schaffen Platz. Und der ist nötig: „Früher waren die Frauen im Schnitt eineinhalb Jahre in unseren Wohngruppen. Inzwischen können daraus bis zu zweieinhalb werden“, sagt Michalke.

Drei verschiedene Gruppen von Frauen

Bislang kümmerten sich die Mitarbeiterinnen um drei verschiedene Gruppen. Für Frauen mit psychischen Erkrankungen gab es 23 Plätze, ebenso viele für Frauen mit „besonderen sozialen Schwierigkeiten“, ein Begriff aus der Sozialgesetzgebung, der die Finanzierung solcher Plätze strukturiert. Weitere acht Plätze gibt es in der Notaufnahme für Frauen, die akut eine Bleibe suchen. Viele Bewohnerinnen kommen mit ihren Kindern.

Weil die Wohngruppe für psychisch kranke Frauen in ein neues Gebäude nach Sülz ziehen wird, kann die Diakonie im Elisabeth-Fry-Haus bald acht Plätze in vier Gruppen anbieten, die Größe der Gruppen mit gemeinsamen Bädern, Küchen und Aufenthaltsräumen damit fast halbieren und durchgehend Einzelzimmer einrichten. Für die Bewohnerinnen bedeutet das mehr Rückzugsmöglichkeiten.

Verdeckte Wohnungslosigkeit

Nicht immer geht es auf den Fluren reibungslos zu. „Da treffen manchmal Welten aufeinander“, sagt Michalke. Während die Frauen in der Notaufnahme mitunter in verwahrlostem Zustand ankommen, gehören die Frauen aus den Wohngruppen eher zu jenen Fällen, die Statistiker unter der Rubrik „verdeckte Wohnungslosigkeit“ subsumieren. Sie leben nicht auf der Straße, drohen aber abzurutschen: Frauen mit Suchtproblemen oder Schulden, Haftentlassene, aber auch Opfer häuslicher Gewalt. Im Elisabeth-Fry-Haus arbeiten Sozialarbeiterinnen und Psychologinnen mit ihnen daran, „die Unordnung in ihrem Leben in kleinen Päckchen zu ordnen“.

Sie werden an die Schuldnerberatung, das Jobcenter, Sucht- und andere Beratungsstellen weitervermittelt, erhalten Hilfe bei der Suche nach einem Platz in der Kita und bei Behördengängen. Wenn die Frauen soweit stabilisiert sind, dass sie Michalkes Einrichtung eigentlich verlassen könnten, wird für viele der angespannte Wohnungsmarkt erneut zum Problem.

Kein Erfolg bei der Wohnungssuche

Das Gefühl, bei der Wohnungssuche keinen Erfolg zu haben, kann verheerend sein, berichtet Ursula Michalke von der Diakonie. „Wir raten den Frauen, im Frühjahr und Oktober gar nicht erst zu suchen, weil sie da mit den Studenten konkurrieren. Und die haben eine Bürgschaft von ihren Eltern“, sagt sie.

Sarah Rohlfing kennt das Problem ebenfalls. Sie ist beim Verein „Frauen helfen Frauen“, der zwei anonyme Frauenhäuser in Köln betreibt, zuständig für die Wohnungsvermittlung. Ihre Stelle wurde eigens für diese Aufgabe geschaffen. Eine Sozialwohnung, die frei vermietet wird, sei für die Frauen schwer zu finden, sagt sie.

Auch das Wohnungsamt habe inzwischen weniger Wohnungen zu vergeben. Auf der Webseite appelliert der Verein deshalb an Vermieter, an Mieter, die Nachmieterinnen suchen, sich an die Frauenhäuser zu wenden. Denn die müssen mehr Frauen als früher abweisen, weil die Bewohnerinnen länger bleiben müssen als nötig. Rohlfing vermutet, dass die oft prekäre finanzielle Lage der Frauen eine Rolle spiele. „Alleinerziehende mit Kindern stehen nicht hoch im Kurs. Und sie sind ja tatsächlich einem größeren Armutsrisiko ausgesetzt“, sagt sie. Aber auch der Rassismus sei ein Problem: Denn besonders schwer haben es Frauen mit dunkler Hautfarbe....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta