Klimaschutz: Bitte den Baum wieder loslassen

Mely Kiyak

Wer rettet das Klima vor der CSU? Der mögliche Wahlerfolg der Grünen stürzt die anderen Parteien in fantasielose Verzweiflung.

Bitte den Baum wieder loslassen. © Peter Kneffel/​dpa

Frage: Entscheiden sich die Grünen für Annalena Baerbock oder Robert Habeck als Kanzlerkandidaten? Antwort: Sie stellen Markus Söder auf. 

Wenn Bäume twittern könnten, dieser hier würde mit Sicherheit ein verzweifeltes #NeinheißtNein absetzen. Skrupellos södert sich der bayerische Ministerpräsident am helllichten Tag an den wehrlosen Baum und hält ihn mit beiden Händen fest. Man sollte den Baum jetzt unbedingt auf dem Schirm behalten. Wird das mit der abgeblätterten Rinde im Laufe der Jahreszeiten schlimmer, kann sich der Baum von diesem Übergriff erholen?

Er twittert jetzt im Sekundentakt. Markus Söder, der Radlbär. Söder konferiert im Freien. Markus und Winni duzen sich. Söder will in fünf Jahren 30 Millionen Bäume in Bayern pflanzen. Söder macht C02-Sitzung – es ist wirklich zum Auspuff-in-den-Kopf-halten. Jahaa, will man ihm zurufen, wir haben es begriffen! Söder macht jetzt auch in Klima. Botschaft angekommen. Er soll sich endlich unbedingt entspannen! Vielleicht auf einem Inlandskurzstreckenflug von Nürnberg nach Fürth, das mitgebrachte Steak aus der Plastiktüte auspacken und mit dem SUV wieder in die Staatskanzlei zurückfahren. Und bitte, bitte den Baum wieder loslassen! Und auch die anderen Bäume nicht anfassen! Darum kümmern sich die bayerischen Förster, die sowieso jährlich fünf Millionen Bäume pflanzen, macht in fünf Jahren 25 Millionen Bäume. Fünf Millionen mehr sind wahrlich keine Baumwende.

Die Panik vor einem möglichen Wahlerfolg für die Grünen, stürzt die anderen Parteien derart in die fantasielose Verzweiflung, dass ihnen nichts Besseres einfällt, als sich als blütenbestäubte Blumenwiese zu verkleiden. Die SPD beispielsweise hat keine Idee, wofür die SPD stehen könnte, sie hat auch keinen Parteivorsitzenden, aber der "Masterplan für Klimaschutz" steht.

Das Zehn-Punkte-Papier ist eine semantische Hölle auf Erden. "Der Schutz der Umwelt ist nicht alles. Aber ohne ihn kann alles nichts sein." Das steht da drin. Das ist das abgewandelte Willy Brandtsche Wort, wonach der Frieden nicht alles sei, aber ohne Frieden alles nichts. Egon Bahr interpretierte das Brandt-Zitat so, dass Frieden als oberstes Kriterium für den Fortbestand der Menschheit zu sehen sei. Will die SPD damit sagen, dass jetzt das oberste Ziel der Partei Umweltschutz ist? Dagegen ist nichts zu sagen, aber eine Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Bahnreisen ist nun bei aller Liebe kein "Masterplan", oder? Das sozialdemokratische Masterziel für eine neue Master-Agrarpolitik benötigt zwei Absätze und lautet: "Die Agrarpolitik muss (…) klimafreundlicher gestaltet werden." In einer Sendung Löwenzahn aus dem Jahr 1981 stecken mehr ökologisch verwertbare Ideen als in diesem Masterdings.

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