Kliniken warnen vor Versorgungsengpässen bei regulären Patienten

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Corona-Patient auf einer Intensivstation in Freising

Angesichts der steigenden Zahl von Corona-Patienten auf den Intensivstationen warnt die Deutsche Krankenhausgesellschaft vor Versorgungsengpässen bei regulären Patienten. "Wenn sich die Infektionslage in den nächsten Wochen nicht entspannt, werden viele Kliniken an den Punkt kommen, dass sie Operationen nicht nur um ein paar Wochen, sondern um Monate verschieben müssen", sagte Hauptgeschäftsführer Gernot Gaß den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwochsausgaben).

90 Prozent der Kliniken stellten aktuell schon mehr als zehn Prozent der Eingriffe zurück, 50 Prozent sogar mehr als 20 Prozent, sagte Gaß. Bei einzelnen Eingriffen, zum Beispiel beim Hüftgelenksersatz, würden im Schnitt 40 Prozent der Operationen abgesagt. "Je länger die dritte Pandemiewelle dauert, desto massiver werden die Engpässe bei planbaren Eingriffen", warnte Gaß.

Auch die Deutsche Krebsgesellschaft warnte vor einer Verschlechterung der Lage für Krebspatienten: "Wenn sich die Infektionslage weiter verschärft, werden die Wartezeiten auf planbare Operationen in den kommenden Wochen noch deutlich zunehmen", sagte deren Präsident Thomas Seufferlein den Funke-Zeitungen. "Ich möchte nicht von Triage sprechen, aber viele Kliniken müssen jetzt priorisieren."

Krebspatienten, deren Zustand medizinisch stabil sei, müssten schon jetzt häufig zwei oder drei Wochen länger auf ihren Eingriff warten als sonst, sagte Seufferlein. Bei einigen Tumorerkrankungen könne das zu Verschlechterungen führen. In jedem Fall sei eine solche Verzögerung für Patienten, die gerade eine Krebsdiagnose bekommen hätten, psychisch schwer belastend.

Die Intensivmediziner zeigten sich ebenfalls besorgt: Schon jetzt seien in vielen Kliniken nur noch zehn Prozent der Intensivbetten frei - oft nur ein einziges Bett, sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, den Funke-Zeitungen. "Wenn wir deutlich über 6000 Covid-Intensivpatienten kommen, ist im gesamten Krankenhaus nur noch Krisenmedizin möglich."

Darunter litten vor allem Patienten mit großen, aber planbaren Herzoperationen oder Krebspatienten, deren Tumor-Operationen ebenfalls bis auf Weiteres verschoben werden müssten, wenn sie nicht lebensbedrohlich erkrankt seien.

Marx mahnte: Sollte die bundeseinheitliche Corona-Notbremse, die der Bundestag am Mittwochvormittag beschließen will, nicht schnell greifen, werde in wenigen Wochen die Betten-Notreserve aller Kliniken in Deutschland gebraucht. "Dann wären wir im Katastrophenmodus: Wir müssten das Personal aus den anderen Abteilungen abziehen, um die Covid-Patienten und andere akut lebensbedrohlich erkrankte Patienten zu versorgen – aber eben nur noch ausschließlich diese. Das bedeutet weniger und schlechtere Versorgung für alle anderen."

Der Bundestag entscheidet am Mittwochvormittag über die Notbremse zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes sieht erstmals eine bundeseinheitliche Regelung zu Kontaktbeschränkungen, Ausgangssperren sowie der Schließung von Geschäften und Schulen vor. Die meisten Maßnahmen sollen ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner gelten.

mid