«Klopf, klopf! Wer ist denn da?»

Die schwangere Sängerin Beyoncé zeigt ihren Babybauch. Foto: Hubert Boesl

Beyoncé brach mit der kunstvollen Ankündigung ihrer jüngsten Zwillings-Schwangerschaft und inzwischen fast elf Millionen Likes den Instagram-Rekord. Amal Clooney und ihr Mann George werden noch gnadenloser beäugt, seit der wachsende Bauch der Anwältin den doppelten Nachwuchs angekündigt hat.

Und nun macht auch Tennis-Queen Serena Williams mit ihrer Schwangerschaft (20. Woche, wie sie am Mittwoch auf Instagram verriet) Schlagzeilen. Werdende Promi-Mütter (oder Väter) sind guter Nachrichtenstoff, immer wieder landen News über Nachwuchs in der Glitzerwelt auf den Titelseiten.

«Schwangerschaften haben traditionell einen hohen Nachrichtenwert in der privaten Kommunikation», sagt die Medienwissenschaftlerin Joan Bleicher von der Uni Hamburg. «Kombiniert man das private Thema mit dem Aufmerksamkeitsgaranten Star, besitzt man einen optimales Wirkungsspektrum aus Klatsch und Emotion.»

«Die Schwangerschaft ist ja ein sehr anspruchsvoller und teilweise auch ungewisser, spannender Lebensabschnitt», sagt der Psychologe und Bestseller-Autor Manuel Tusch. «Wir erhoffen uns, von Promi-Schwangerschaften viel lernen zu können.» Allerdings müsse eine werdende Mama nicht einmal unbedingt prominent sein, um mit ihrer Schwangerschaft für Klatsch und Tratsch zu sorgen. «Indem wir auch im privaten Umfeld klatschen und tratschen, versuchen wir, Sicherheit über soziale Reaktionen zu erfahren.»

So ist dann auch die möglichst kreative Enthüllung der Tatsache, dass sich da was tut im Bauch, längst kein Promi-Privileg mehr. Der Windellieferant Pampers hat auf seiner Homepage «zehn clevere Ideen für Karten zur Verkündung Ihrer Schwangerschaft» zusammengestellt - von denen sich allerdings auch der ein oder andere Promi möglicherweise hat inspirieren lassen.

«Kaufen Sie Rubbelkarten, die Sie selbst mit einer Nachricht versehen können, und schreiben Sie darauf: "Klopf, klopf! Wer ist denn da?"», heißt es zum Beispiel bei Pampers. «Uiiiiiiiii...., klopft da jemand?», schrieb Ex-Skispringer Sven Hannawald im vergangenen Jahr unter ein Facebook-Foto von seinem Kopf auf dem Bauch seiner schwangeren Frau Melissa.

«Suchen Sie das Bild, das Sie von Ihrem positiven Schwangerschaftstest gemacht haben – wir wissen, dass Sie eins gemacht haben – und basteln Sie eine digitale Karte daraus», lautet Idee Nummer zwei. Ein Tipp, den das Model Bar Refaeli befolgt zu haben scheint: Sie kündigte ihr erstes Kind genau so auf Instagram an. Bei Baby Nummer zwei hielt sie es jüngst eher klassisch und postete ein Foto von sich mit nacktem, leicht gewölbtem Bauch.

Nicht immer sind es allerdings die Frauen selbst, die ihre baldige Mutterschaft verkünden, manchmal übernehmen das - wie bei Hannawald - ihre prominenten Männer. Fußballer wie der FC-Bayern-Star Robert Lewandowski wählen da gerne die klassische Wiege-Bewegung oder den Daumen-Nuckler als Torjubel, um den Nachwuchs anzukündigen. Auf die Gefahr hin, dass jemand die Anspielung nicht versteht, wird dabei gerne der Ball unter das Trikot gestopft, um einen Babybauch zu imitieren. Sicher ist sicher.

«Gerade in Deutschland hat die Vaterrolle in den letzten Jahren eine enorme Aufwertung erfahren», sagt Psychologe Tusch. «Das spiegelt sich an dieser Stelle wider. Darüber hinaus steigert es den Promifaktor und damit den Marktwert.»

Marktwert sei überhaupt das Zauberwort, sagt der Journalistik-Professor Klaus Meier von der Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, und er ist der Grund dafür, warum Promis ihre Schwangerschaft oft derart in Szene setzen. Denn Aufmerksamkeit sei Babybäuchen sicher, «weil die Zielgruppe Frauen eine heile Traumwelt sucht». «Und Schwangerschaft ist mit dieser Traumwelt gut verbindbar, weil es eine wundervolle Zeit ist, an die man sich selbst gerne zurückerinnert - oder von der man träumt.»

Ein weiterer Grund für den hohen Nachrichtenwert eines wachsenden Bauches: Er bietet viel Raum für Spekulationen: «Wird es ein Junge, wird es ein Mädchen? Wie wird das Kind aussehen? Wer ist der Vater? Und kümmert er sich? Wird sie weiter arbeiten? Wird sie eine Rabenmutter?» Meier sagt: «An der Schwangerschaftsnachricht kann man all diese Debatten aufmachen.»

Dass die Regenbogenpresse dabei auch zu weit gehe, sehe man an Fotomontagen, auf denen werdenden Mütter schon einmal vorsorglich ein Baby in den Arm gelegt werde oder an Bildern, die zeigen sollen, wie beispielsweise der künftige Spross einer Königsfamilie eventuell aussehen könnte. «Das ist aus ethischer Sicht natürlich schon bedenklich», sagt Meier. «Für Prominente ist das eine extrem schwierige Gratwanderung. Wer sich einmal auf dieses Spiel mit der Öffentlichkeit einlässt, der kommt nicht mehr raus.»

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