Knallhart-Gründer räumt ab: "Einer der besten Deals jemals" in der "Höhle der Löwen"

Rupert Sommer
·Lesedauer: 6 Min.

Dramatischer "Höhle der Löwen"-Endspurt - mit einer halben Million Euro Investoren-Geld: Der kühle norddeutsche Schiffsbau-Ingenieur Lars Molter machte es den Investoren nicht leicht, bei seinen Metall-Faser-Verbundelement "FAUSST" schnell Feuer zu fangen. Doch dann kam es zum wilden Wett-Bieten.

Dass man beim allerletzten "Die Höhle der Löwen"-Pitch in diesem Jahr genau zuhören musste, hatte seinen Grund. Es sollte sich aber unbedingt auszahlen. Plötzlich stand im Staffelfinale der VOX-Gründershow eine der spannendsten Entscheidungsschlachten überhaupt an - mit den sonst so reserviert-zurückhaltenden High-Tech-Investoren Nico Rosberg und Carsten Maschmeyer im Zentrum. "Aufpassen lohnt sich", hatte sich der promovierte Schiffbau-Ingenieur Lars Molter aus Hamburg gesagt, als er seine - vorsichtig ausgedrückt - höchst erklärungsbedürftige Erfindung in der Gründersendung vorstellte. Das aber trotz aller hanseatischen Kühle mit stolzem Selbstbewusstsein: "Wir wollen die Welt verändern."

"Stricken statt Kleben": Hä, bitte was?

Was der Hyconnect-Firmenchef vorstellt, könnte die See-Transport-, später vermutlich auch die Auto- und Luftfahrt-Branche, revolutionieren: Das von Molter in langer Forschungsarbeit entwickelte Verbindungselement "FAUSST" soll dabei helfen, den Einsatz von Leichtbautechnik beim Bootsbau zu vereinfachen. "Wir verbinden Metall- und Leichtbau mit einem Textil", sagte der kluge Herr Ingenieur. Möglich macht das ein Gewebe aus Metall- und Glasfaserfäden, die Stahl etwa mit leichten Kunststoffbauteilen verbinden könnte. Und das ohne kostspieliges Klebstoff-Verfahren, weil "FAUSST" geschweißt werden kann. "Mit Stricken statt Kleben zu mehr Nachhaltigkeit", lautet die Devise.

Wer bis dahin nur Bahnhof verstand, dem fehlte vermutlich viel Fantasie. Tatsächlich stellt Lars Molter keine Artikel her, die Supermarktspezialist Ralf Dümmel einfach mal so in die Regale räumen lassen kann. Und so war Dümmel genauso schnell aus dem Bieterrennen raus wie seine etwas verwirrt wirkenden Kollegen. Und das, obwohl Dümmel mal wieder einen dieser metallisch glänzenden schrillen Anzüge trug, die selbst ein wenig wirkten, als ob sie aus High-Tech-Garn gewebt wären. Doch das nur am Rande.

Maschmeyer und Rosberg tuscheln hektisch im Studio-Hintergrund

Carsten Maschmeyer und Nico Rosberg zogen sich jedenfalls zum Flüstern in den Studio-Hintergrund zurück. Stets ein Zeichen dafür, dass viel Geld fließen könnte. Ihnen imponierte nicht nur das Potenzial, sondern auch der trotz aller kniffliger Schweißtechnik-Fragen dann doch ziemlich einleuchtende Nachhaltigkeitsgedanke. "Je schwerer ein Transportmittel ist, desto mehr Energie wird auch benötigt", rechnete der Ingenieur vor. "Mehr Treibstoff, mehr Emission, und das ist damit sehr schädlich für die Umwelt."

Da glühten dann schon Nico Rosbergs Augen: "Das ist genau das, wofür ich in die Höhle gekommen bin", sagte der Ex-Formel-1-Weltmeister, der mit seinen Investitionen dezidiert "Gutes" tun möchte. "Hier haben wir die Möglichkeit, gegen den Klimawandel anzukämpfen." Alles klar: hohes Ziel, sicherer Handschlag! Es galt nur noch, eine "Kleinigkeit" zu regeln - das liebe Geld. Und da wurde es happig. Immerhin verlangte Lars Molter für eine Firmenbeteiligung in Höhe von lediglich 12,5 Prozent die stolze Summe von 500.000 Euro.

Ein Hamburger schaltet auf stur

Ein Investment in Hyconnect hatte noch einen weiteren gewaltigen Haken: Die entsprechenden Zertifikate, damit die "FAUSST"-Verbindungsteile auch tatsächlich in neuen Schiffen verbaut werden können, wurden dem Unternehmen noch nicht erteilt. Keine Überraschung also, dass sich Rosberg und Carsten Maschmeyer, die sich "auf kleinem Dienstweg" zu einem Investoren-Power-Duo zusammengeschlossen hatten, mit ihren Zusagen zögerten.

Sie wollten daher zunächst nur 250.000 Euro gemeinsam bezahlen, die zweite Hälfte nach Erteilung der Zertifikate. Und wesentlicher noch: Rosberg und Maschmeyer forderten 24,9 Prozent an Hyconnect. Doch da hatten sie die Zähigkeit des ruhig wirkenden, schnell aber auf stur schaltenden Hamburgers unterschätzt. Es ging hin und her. Und fast wäre der Deal komplett geplatzt. Denn Lars Molter verkaufte sich teuer. Am Schluss landete man bei einer 17,5-Prozent-Firmenbeteiligung von Maschmeyer und Rosberg. Das Geld wird in zwei Raten ausbezahlt.

"Das gefällt mir, dass er nicht eingeknickt ist"

"Sie waren der härteste Verhandler bislang in der 'Höhle der Löwen'", stöhnte der Vertriebsprofi Maschmeyer, nachdem der zähe Fight zum Finale endlich entschieden war. Glücklich wirkte er dennoch sehr. "Das gefällt mir, dass er nicht eingeknickt ist", sagte er über Lars Molter. Und Judith Williams, die wie ihre anderen, an Industrie-Technik eher weniger interessierten Mit-"Löwen" lange beim wilden Geld-Geschacher untätig zuschauen musste, gestand anerkennend ein: "Einer der besten Deals jemals!"

Und so war es. "Das kann wirklich die Welt verändern", jubelte Nico Rosberg über die Technik. In diesem schönen Glauben möchte man ihn gerne lassen. Falls doch nicht: Im nächsten Jahr geht die "Höhle der Löwen" auf VOX natürlich weiter.

Kein Herz für Bio-Cracker

Bleiben noch die anderen Tüftler, die sich Chancen auf offenherzige "Löwen" in der nun erst mal letzten Folge gemacht hatten: Gar nicht gut ging's für die sympathisch unkonventionellen Superfood-Erfinder von Aho.Bio aus Bad Münder aus. Jannis Birth und Alexander Wies hatten von langen Weltreisen ansprechende Rezepte für veganes Brot aus Sprösslingen mitgebracht. Dumm nur, dass die entsprechenden Cracker keinem einzigen der Investoren schmecken wollten. Schlechte Voraussetzung für einen Durchbruch auf dem umkämpften Food-Markt. Also: kein Geld!

Nur Judith Williams biss sich bei der NUI-Cosmetics-Präsentation von Swantje van Uehm aus Berlin fest. Auch hier waren gleich mehrere Kollegen ultrahart in ihrem Urteil. "Ich sehe null Innovation", schimpfte Nils Glagau über die Lippenstifte und Pflegeprodukte mit veganen Inhaltsstoffen. Die Beauty-Expertin Williams allerdings ließ sich nicht ablenken und blieb am Ball. Dafür verhandelt sie fast wieder grausam nah an der Grenze zur Unverschämtheit: Weil ohnehin kein anderer Investor mitzog, konnte sie die NUI-Gründerin runterhandeln: Williams sicherte sich 40 Prozent der Firmenanteile. Eigentlich wollte Swantje von Uehm ursprünglich nur 20 Prozent verkaufen.

Doppel-Dümmel: Der Supermarkt-Experte schlug gleich zweimal zu

Und dann gab's zum Staffel-Finale gleich noch einen Doppel-Dümmel: Der umtriebige Handelsexperte Ralf Dümmel sprang gleich auf zwei Öko-bewegte Geschäftsideen auf, die beide zwar nicht furchtbar originell, aber aus seiner Sicht offenbar doch gut in Supermärkten und Discounter-Ketten vermarktbar sind. So sicherte sich das junge Unternehmen Yucona mit seiner ersten wiederverwendbaren Wasserfilter-Kartusche eine Geldspritze. Und die ging dann auch - ebenfalls bezahlt von Ralf Dümmel - an Familienvater Eike Meyer, der mit zupackendem Charme seine "Twentyless"-Geschäftsidee für ein Haushaltsreiniger-Konzentrat in der umweltfreundlichen Glasflasche vorstellte.

Nachhaltigkeit ist der Mega-Trend dieser Zeit. Bleibt nur abzuwarten, wie nachhaltig sich die Produkte in der "harten Welt draußen" bewähren. Aber das wird spätestens in der nächsten "Die Höhle der Löwen"-Staffel geklärt.