Sozialist Moreno gewinnt Präsidentschaftswahl in Ecuador

Sozialist Moreno gewinnt Wahl in Ecuador

Mit knappem Vorsprung hat der Sozialist Lenín Moreno die Präsidentschaftswahl in Ecuador gewonnen: Nach Auszählung von rund 98 Prozent der Stimmen kam der Kandidat der linksgerichteten Regierungspartei bei dem Urnengang vom Sonntag auf 51,14 Prozent, sein rechtskonservativer Kontrahent Guillermo Lasso auf 48,88 Prozent. Lasso zweifelte das Ergebnis allerdings an und sprach von "versuchtem Wahlbetrug".

Rund 12,8 Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, den Nachfolger von Staatschef Rafael Correa zu bestimmen, der mit seinem "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" zehn Jahre lang die Politik des südamerikanischen Landes geprägt hatte. Der bisherige Vizepräsident Moreno ließ sich noch am Sonntag von Anhängern in Quito feiern und kündigte an, sich weiter dafür einzusetzen, das Leben "besonders für die ärmsten Bürger" Ecuadors zu verändern.

Der ehemaliger Banker und Wirtschaftsminister Lasso sagte hingegen, sein Wahlkampfteam habe Beweise für eine versuchte Manipulation der Wahlergebnisse. "Wir werden den Willen des ecuadorianischen Volkes verteidigen angesichts des versuchten Betrugs, mit dem eine von Anfang an illegitime Regierung installiert werden soll", sagte Lasso in seiner Geburtsstadt Guayaquil vor Journalisten. Vor Wahlbüros in Quito und anderen Städten kam es am Sonntagabend zu Protesten von Anhängern Lassos. Unter Berufung auf unterschiedliche Nachwahlbefragungen hatten zunächst beide Kandidaten ihren Sieg verkündet.

Auf den 64-jährigen Moreno, der seit einem bewaffneten Überfall im Jahr 1998 im Rollstuhl sitzt, waren in der ersten Wahlrunde Mitte Februar 39 Prozent der Stimmen entfallen. Der 61-jährige Oppositionsführer Lasso kam auf 28 Prozent. In den Umfragen vor der Stichwahl hatte Moreno mit 52 bis 57 Prozent in Führung gelegen.

Das Votum in Ecuador galt angesichts der in mehreren Ländern Lateinamerikas geschwächten Linken als wichtige Richtungswahl. Unter Correa hatte sich die Lage in dem kleinen Andenstaat stabilisiert, Armut und soziale Ungerechtigkeit gingen zurück. Dies gelang Correa auch mit Hilfe der Öleinnahmen, die aufgrund des gefallenen Ölpreises zuletzt aber stark zurückgegangen sind.

Auch für den Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, Julian Assange, stand bei der Wahl einiges auf dem Spiel: Moreno will dem Australier weiter Asyl in der ecuadorianischen Botschaft in London gewähren. Lasso hatte dagegen angekündigt, die von Correa getroffene Entscheidung zu revidieren.

Assange beglückwünschte Moreno am Sonntagabend im Kurzbotschaftendienst Twitter und lud "Lasso herzlich ein, sich in den kommenden 30 Tagen (mit oder ohne seine Millionen auf Offshore-Konten) aus Ecuador zurückzuziehen".

Assange hält sich seit Mitte 2012 in Ecuadors Botschaft in London auf. Er war dorthin geflohen, um einer Festnahme durch die britische Polizei und schließlich einer Auslieferung an Schweden zu entgehen, wo er zu den Vorwürfen sexueller Delikte befragt werden sollte. Letztlich fürchtet Assange, an die USA überstellt zu werden, wo ihm wegen der Veröffentlichung hunderttausender geheimer US-Dokumente durch Wikileaks eine lange Haftstrafe droht.

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