Kohle statt Gas? EU-Klimaziele in Gefahr

Österreich trifft gerade Vorbereitungen, das Kohlekraftwerk Mellach bei Graz wieder in Betrieb zu nehmen.

Vor zwei Jahren abgeschaltet, soll es nun die Möglichkeit bieten, mit der Gefahr einer Ausbleibens russischer Gaslieferungen umzugehen, als Konsequenz des Krieges gegen die Ukraine und von der EU verhängten Sanktionen.

Christof Kurzmann-Friedl, der Manager des Kohlekraftwerks erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP:

“Man bereitet sich vor darauf, dass der Gasfluss, so wie wir ihn gewohnt waren in den letzten Jahren und Jahrzehnten in dieser Sicherheit nicht mehr aufrecht erhalten wird, und dass dann alle Beiträge abgeholt werden, um den Gaseinsatz zu substituieren. Steinkohle ist hier eine besondere Möglichkeit, und wäre ein Beitrag Gasverbrauch zu minimieren.”

Mit diesem Schritt steht Österreich nicht alleine. Auch Deutschland und Frankreich haben zu einer möglichen Wiederinbetriebnahme von Kohlekraftwerken Ähnliches verlauten lassen.

Damit wäre das EU-Ziel einer Reduktion von Treibhausgasemmissionen von mindestens 55% bis 2030 in Gefahr. Der Krieg in der Ukraine scheint also die Klimaziele der Union in Frage zu stellen.

Geneviève Pons, Generaldirektorin der Denkfabrik Europe Jacques Delors, sagte gegenüber Euronews:

“Es ist schon schockierend, dass wir es zulassen, Kraftwerke wieder hochzufahren, die doppelt so hohe Emissionswerte haben wie Gaskraftwerke, dass wir das zulassen, statt eine Kampagne zum Energiesparen zu starten, wie wir es ja früher durchaus getan haben.”

Umweltaktivisten fordern, den Krieg in der Ukraine nicht als Ausrede für eine Aufweichung des Klimapakts zu missbrauchen. Im Gegenteil sollte er ihrer Ansicht nach die Mitgliedsstaaten dazu bringen, im Bereich erneuerbarer Energien schneller zu handeln, damit die selbstgesteckten Ziele erreicht werden.

Denn was heute entschieden wird, hat Folgen, und wird mitbestimmen, ob und wie die CO2-Neutralität wie gesetzlich vorgeschrieben 2050 erreicht werden kann.

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