Kolumbien ruft nach Erdrutschen in Mocoa Notstand aus - Opferzahl steigt weiter

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Trauernde in Mocoa

Auch Tage nach den verheerenden Erdrutschen in der kolumbianischen Stadt Mocoa steigt die Zahl der Opfer stetig weiter an. Nach Angaben der Behörden vom Montag (Ortszeit) wurden seit Freitag mehr als 270 Menschen tot geborgen, rund 220 wurden noch vermisst. Unter den Opfern sind mindestens 43 Kinder. Staatschef Juan Manuel Santos rief den Notstand aus, um rasch weitere Staatshilfen zu mobilisieren.

Trotz der Warnung vor weiterem Regen und neuen Erdrutschen ordnete der Präsident während seines mehrtägigen Besuchs in dem Gebiet den sofortigen Wiederaufbau von Mocoa an. Der mit dem Wiederaufbau beauftragte Verteidigungsminister Luis Carlos Villegas schätzte, dass die Arbeiten bis zu drei Jahre dauern werden.

Die Regierung genehmigte die Freigabe von 40 Milliarden Pesos (13,04 Millionen Euro) für die nationale Katastrophenschutzbehörde UNGRD. Laut den Behörden könnte der Regen bis Juni andauern.

Sintflutartige Regenfälle hatten am Freitagabend Schlammlawinen in Mocoa ausgelöst. Sie wälzten sich durch die Straßen und rissen ganze Häuser, zwei Brücken, Autos und Bäume fort. Am schwersten betroffen sind die Armenviertel. Die dortigen Bewohner sind zum großen Teil Vertriebene des jahrzehntelangen Bürgerkriegs. Hunderte Helfer waren im Einsatz, doch die Hoffnungen, noch auf Überlebende zu treffen, schwanden zusehends.

Auf dem öffentlichen Friedhof wurde am Montag ein erstes Massenbegräbnis abgehalten - doch hatten die Arbeiter Mühe, so rasch genügend Gräber für die vielen Särge auszuheben. Eine eigene Tragödie in dem Drama ist der Tod der vielen Kinder: Immer wieder hatten Eltern hilflos mit ansehen müssen, wie ihre Kleinen von den Schlamm- und Geröllmassen mitgerissen oder begraben wurden. Viele Kinder wurden noch vermisst oder sind schwer traumatisiert.

Insgesamt rund 45.000 Menschen sind von den Schlammlawinen und ihren Folgen betroffen. Am Montag gab es in Mocoa weiterhin kein fließendes Wasser, und 80 Prozent der Bevölkerung waren von der Stromversorgung abgeschnitten. Santos versprach einen Energieplan sowie den Bau neuer Wasserleitungen, Krankenhäuser und Wohnungen.

Der Nordwesten der südamerikanischen Pazifikküste wurde zuletzt wiederholt von schweren Überflutungen und Erdrutschen getroffen. Nach Angaben von Umweltexperten sind die Probleme menschengemacht: Neben dem Klimawandel trage die Abholzung der Wälder sowie eine ungenügende Stadtplanung dazu bei, dass bei jeder Überflutung eine Katastrophe drohe.

Laut einer Studie der Staatlichen Universität von Kolumbien könnten sich derartige Katastrophen wie in Mocoa in hunderten weiteren Orten des Landes wiederholen. "Wenn keine wirksamen Maßnahmen ergriffen werden, kann sich der bedauernswerte Fall in Mocoa in 385 (Orten) im Einflussgebiet von Flüssen wiederholen", erklärte die Universität. Diese Gefahr betreffe Ortschaften im Zentrum ebenso wie im Süden Kolumbiens, fügte der Geologe Germán Vargas Cuervo hinzu.

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