Hubschrauber von Kolumbiens Präsident beschossen

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Einschussloch am Hubschrauber

Der Hubschrauber des kolumbianischen Präsidenten Iván Duque ist nahe der Grenze zu Venezuela beschossen worden.

"Das ist ein feiger Anschlag, man kann die Einschusslöcher in der Präsidentenmaschine sehen", teilte Duque am Freitag mit. Verletzt wurde bei dem Beschuss niemand. Sein Sicherheitsdienst und die Bauweise des Helikopters hätten verhindert, dass der Vorfall tödlich ausging, erklärte der Präsident.

 Duque war zusammen mit dem Verteidigungs- und dem Innenminister auf dem Weg von der Ortschaft Sardinata in der Provinz Norte de Santander in die Stadt Cúcuta an der Grenze zu Venezuela, als der Hubschrauber beschossen wurde. Auch der Gouverneur der Provinz war mit an Bord.

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 Auf vom Präsidentenbüro veröffentlichten Bildern waren Einschusslöcher am Heck und am Rotor des Hubschraubers zu sehen. "Wir lassen uns nicht von Gewalt oder Terrorakten einschüchtern", erklärte Duque. "Unser Staat ist stark, und Kolumbien ist stark genug, um dieser Art von Bedrohung zu begegnen." Er habe die Sicherheitskräfte angewiesen, die Verantwortlichen der Tat zu verfolgen.

Erster Angriff auf ein kolumbianisches Staatsoberhaupt seit fast 20 Jahren

 In der höchst unsicheren Grenzregion sind die marxistische Guerillagruppe Nationale Befreiungsarmee (ELN) und Dissidenten der Ex-Guerillaorganisation Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (Farc) aktiv. Auch zahlreiche Drogenbanden liefern sich dort blutige Auseinandersetzungen. Die Region ist eines der wichtigsten Koka-Anbaugebiete Kolumbiens. Das südamerikanische Land ist der weltweit größte Produzent von Kokablättern, aus denen Kokain gewonnen wird.

 Erst Mitte Juni waren bei einem Autobombenanschlag auf einen Militärstützpunkt in Cúcuta 36 Menschen verletzt worden. Die Regierung machte die ELN für den Anschlag verantwortlich.

 Vertreter der US-Regierung, der UNO und der EU verurteilten den Beschuss des Präsidentenhubschraubers scharf. Es ist der erste Angriff auf ein kolumbianisches Staatsoberhaupt seit fast 20 Jahren. 2003 hatte die Farc einen Anschlag auf den damaligen Präsidenten Alvaro Uribe verübt. Bei einer Bombenexplosion in der Nähe des Flughafens von Neiva im Südwesten Kolumbiens kurz vor der Landung des Präsidentenflugzeugs starben 15 Menschen, 66 weitere wurden verletzt.

Seit Ende April fast tägliche Proteste gegen die Regierung

 Seit Duques Amtsantritt 2018 wird Kolumbien von der größten Gewaltwelle seit dem Friedensvertrag mit der Farc erschüttert. Im Gegensatz zur deutlich größeren Farc hat sie die ELN dem bewaffneten Kampf nicht abgeschworen. Die Farc schloss 2016 ein Friedensabkommen mit der Regierung. Die meisten ihrer Kämpfer gaben daraufhin ihre Waffen ab.

 Seit Ende April sieht sich die Regierung zudem mit fast täglichen Protesten konfrontiert. Die Demonstrationen hatten sich ursprünglich an einer geplanten Steuerreform entzündet, die inzwischen zurückgezogen wurde. Inzwischen richten sie sich allgemein gegen die Regierung. Die Sicherheitskräfte gingen teils gewaltsam gegen die Demonstrierenden vor, dutzende Menschen wurden getötet.

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