Kolumne: Die Brotschneidemaschine im Kakturs

Was sucht der Mensch in der Ferne? Und was findet er wirklich? Frau Keseling stapft durch Stadt und Land

Das Schild hätte mich warnen sollen. "Lounge Weltbürger" stand als Wegweiser am Flughafen Tegel. Der Wartebereich Gate C befindet sich in einer provisorischen Halle. Ich schaute auf Menschen in bunten Funktionsjacken und ebensolchen Rucksäcken, manche mit Handys, andere mit Tupperdosen in den Händen. Weltbürger? Gate C ist die Abflughalle von Air Berlin. Diese Reisenden waren auf dem Weg nach Mallorca und zu den Kanarischen Inseln, die meisten hatten pauschal gebucht, viele waren im Rentenalter.

Weltbürger, das Wort habe ich schon lange nicht mehr gehört. Kosmopoliten sind ja an sich Menschen, die den gesamten Erdball als Heimat betrachten. Eine Idee, die in Zeiten von Mauern, Flucht und zunehmendem Nationalismus merkwürdig aus der Zeit gefallen scheint. Oder auch: Aus der Welt. Schon der erste Kosmopolit überhaupt, der griechische Philosoph Diogenes von Sinope, war ja gewissermaßen ein Weltreisender nur im Kopf. Er meinte, richtig glücklich könne man nur sein, wenn man sich befreit von überflüssigen Bedürfnissen und äußeren Zwängen. Also lebte er in Armut und in einer Tonne. Hätte es in der Antike Pauschalreisen und Flughafenlounges gegeben: Diogenes wäre nicht Member geworden.

Was suchen Berliner, wenn sie auf Reisen gehen? Die kanarische Insel empfing mich auf dem Flughafen mit Schildern auf Deutsch, Englisch und Spanisch, in dieser Reihenfolge. Von Weltbürgern war darauf nicht die Rede, aber direkt dahinter leuchtete blau das Meer. Draußen duftete die Welt nach Blumen, Somm...

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