"Wie kommen die wieder auf die Beine?" - Klingbeil (SPD) macht sich bei "Hart aber fair" Sorgen um die Union

Frank Rauscher
·Lesedauer: 4 Min.
SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil konnte sich bei "Hart aber fair" die ein oder andere kleine Stichelei gegen die Union nicht verkneifen. Als Koalitionspartner frage er sich: "Wie kommen die wieder auf die Beine?" (Bild: WDR / Screenshot)
SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil konnte sich bei "Hart aber fair" die ein oder andere kleine Stichelei gegen die Union nicht verkneifen. Als Koalitionspartner frage er sich: "Wie kommen die wieder auf die Beine?" (Bild: WDR / Screenshot)

Söder oder Laschet? - In "Hart aber fair" ging es darum, was die drohende Zuspitzung in der "K-Frage" mit der Union macht: "Wie erfolgreich kann ein Kandidat sein, dessen Kür schon so holprig abläuft, und wer ist groß genug, um aus dem Schatten von Angela Merkel treten zu können?", lauteten die Fragen des Abends.

Was sich in den vergangenen Wochen schon abgezeichnet hat, ist nun Realität: Die Union hat sich in der Kanzlerfrage in eine veritable Zerreißprobe manövriert. Nachdem sich die CDU hinter Armin Laschet und die bayerische CSU mit gleichfalls breiter Brust hinter Markus Söder als Kandidat gestellt hat, läuft alles auf einen Showdown hinaus. Ein Drama in Zeiten der Pandemie und wenige Monate vor der am 26. September anstehenden Bundestagswahl, befinden die einen; ein "Luxusproblem", sagt CSU-Generalsekretär Markus Blume.

Blume war am Montagabend zugeschalteter Gast im ARD-Talk "Hart aber fair", wo sich Gastgeber Frank Plasberg im Sinne einer funktionierenden Sendung gar nicht erst mit Konsensfloskeln aufhielt. "Offene Feldschlacht in aller Freundschaft - kann es so was geben?", fragte er provokant zur Begrüßung. Auch bereits der Titel der kurzfristig anberaumten Runde (eigentlich sollte einmal mehr über die gesellschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie gesprochen werden) wies in diese Richtung: "Showdown der Kandidaten - verstolpert die Union das Kanzleramt?" Also alles angerichtet und auf Zuspitzung gebürstet - doch zur Eskalation kam es an diesem Abend nicht.

"Wir zeigen als Union, wir sind bereit - und zwar bereit für Deutschland": CSU-Generalsekretär Markus Blume (rechts) im Gespräch mit Frank Plasberg. (Bild: WDR / Screenshot)
"Wir zeigen als Union, wir sind bereit - und zwar bereit für Deutschland": CSU-Generalsekretär Markus Blume (rechts) im Gespräch mit Frank Plasberg. (Bild: WDR / Screenshot)

"Hart aber fair": "Söder hat die Union fast in die Falle gelockt"

Es wurde aber durchaus deutlich, wieviel destruktives Potenzial die noch ungelöste K-Frage für die Union in Zeiten drastisch abgeschmierter Umfragewerte birgt. Apropos Umfragewerte: Markus Söder setzt genau darauf, dass alle aktuellen Erhebungen für ihn als Kandidaten und nicht für Armin Laschet sprechen. Armin Laschet hingegen freut sich selbstbewusst wie lange nicht über die "große Unterstützung" des CDU-Präsidiums.

Noch lange kein Grund, aufeinander loszugehen - beide Kandidaten machten in den vergangenen 24 Stunden auf Schönwetter und unterstrichen, wie wichtig die Harmonie innerhalb der Union beim weiteren Vorgehen sei. Ein Tenor, den Markus Blume und Herbert Reul (CDU) am Montagabend bei Frank Plasberg übernahmen. Nur mit einem gemeinsamen Kandidaten könne die Union bei den bevorstehenden Bundestagswahlen bestehen. Doch, so Reul: "Wie kriegen wir das hin, dass CDU und CSU gemeinsam in den Wahlkampf ziehen?"

Blume bat in der Runde um etwas Geduld - man sei ja dabei, auszuloten, wer der chancenreichste Kandidat ist, doch das dauere eben ein paar Tage. Man wolle als Union zeigen, dass man gewillt sei, erfolgreich an die Ära Angela Merkel anzuknüpfen: "Wir zeigen als Union, wir sind bereit - und zwar bereit für Deutschland." Blume: "Es gibt mehrere Vorschläge, und am Ende wird es einer sein."

Andere hatten bei "Hart aber fair" weniger Lust, um den heißen Brei herumzureden. Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke befand, dass Söder in der Sache "völlig Recht habe", doch sein klares Bekenntnis komme zu spät. "Markus Söder hat die Union fast in die Falle gelockt", sagte der Publizist. Die Hauptstadt-Journalistin Kristina Dunz betonte, dass nun beide Kandidaten "beschädigt" seien. Söders "klare Kampfansage" könne die Union "wirklich in die Spaltung treiben", sagte sie, "und damit auch in den Verlust dieser Wahl". Man habe zu viel Zeit verspielt.

Alexander Graf Lambsdorff (FDP) erinnerte an 2018, als sich die Union an der Flüchtlingsdebatte aufgerieben hatte. "Wir haben alle kein Interesse daran, dass sich die Union noch mal so zerlegt!"  (Bild: WDR / Screenshot)
Alexander Graf Lambsdorff (FDP) erinnerte an 2018, als sich die Union an der Flüchtlingsdebatte aufgerieben hatte. "Wir haben alle kein Interesse daran, dass sich die Union noch mal so zerlegt!" (Bild: WDR / Screenshot)

"Haben alle kein Interesse daran, dass sich die Union so zerlegt"

In der Sendung wurde auch deutlich, dass man beim Koalitionspartner eher zwiespältig und relativ gelassen auf die Gemengelage blickt. Natürlich ist da die Sorge, dass bei der Union jetzt womöglich die akuten Fragen der Sachpolitik erst mal etwas zu kurz kommen könnten. Doch auch die SPD hat sich auf Wahlen vorzubereiten, und Generalsekretär Lars Klingbeil wirkte bei Plasberg durchaus angriffslustig.

Er könne Tipps in Sachen Mitgliederbefragungen geben, stichelte er. Der SPD-Generalsekretär sprach von einem "offenen Machtkampf, der da entbrannt ist", und ergänzte, er frage sich, "ob die Union in diesem Zustand überhaupt noch Führungsverantwortung in diesem Land haben" könne. Es sei jedenfalls "fundamental, was da in der Union passiert ist". Als Koalitionspartner frage er sich nun: "Wie kommen die wieder auf die Beine?" Klingbeil: "Es geht gerade nur um die Union selbst, über das Infektionsschutzgesetz redet sie aber wahrscheinlich nicht."

Der große Mahner in der Runde war Alexander Graf Lambsdorff (FDP). Er erinnerte an 2018, als sich die Union an der Flüchtlingsdebatte aufgerieben hatte. "Wir haben alle kein Interesse daran, dass sich die Union noch mal so zerlegt!" Er vermisse einen klaren Weg zur Kandidatenfindung: Er könne beim besten Willen kein geordnetes Verfahren erkennen.

Heitere Tipprunde schließlich zum Finale der Sendung: Wer denn wohl die Neujahrsansprache als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland halten wird, wollte Frank Plasberg von seinen Gästen wissen. Während Reul, von Lucke und Lambsdorff auf Armin Laschet setzten und Klingbeil wie aus der Pistole geschossen mit den Worten: "Nach Angela Merkel kommt Olaf Scholz" antwortete, sagte die Journalistin Dunz zur allseitigen Überraschung: "Ich tippe auf Angela Merkel - weil ich nicht glaube, dass bis zum 31. Dezember eine neue Koalition steht."

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Es geht nur gemeinsam: Herbert Reul (CDU, zweiter von links) und Markus Blume (CSU, rechts) ließen sich bei Frank Plasberg nicht zum Streit hinreißen.  (Bild: WDR / Screenshot)
Es geht nur gemeinsam: Herbert Reul (CDU, zweiter von links) und Markus Blume (CSU, rechts) ließen sich bei Frank Plasberg nicht zum Streit hinreißen. (Bild: WDR / Screenshot)