Kommentar: Übernahme der Wall-Toiletten: Nicht den Übergang vermasseln

Wer ein bewährtes System ersetzt, sollte sicher sein, dass er ein neues in Eigenregie organisiert bekommt, meint Joachim Fahrun.

Öffentliche Toiletten haben nichts mit irgendwelchen Werbetafeln zu tun, die in der Nähe aufgestellt werden. Den Betrieb der im Ernstfall für das persönliche Wohlbefinden unerhört wichtigen Anlagen mit Werberechten zu koppeln, war eine Idee von Hans Wall, einem der wichtigsten Unternehmer im Nachwende-Berlin. In der seinerzeit noch bankrotten Stadt war man froh, dass ein Privatunternehmen es übernahm, die WCs zu reinigen und zu warten. Privatisierungen öffentlicher Leistungen folgten damals dem Zeitgeist. Zumal Wall immer wieder einsprang, wenn für Wasser in Brunnen und Lichterketten zur Weihnachtszeit kein Geld da war.

Senat will öffentliche Toiletten wieder selbst betreiben

20 Jahre danach haben sich die Zeiten geändert. Berlin ist nicht mehr mittellos und inzwischen selbstbewusst genug, seine Aufgaben selbst zu erledigen, egal ob es um Wasserversorgung, Stromnetzbetrieb oder eben die öffentlichen Bedürfnisanstalten geht. Dass der Betrieb der Klos bisher nichts kostet, ist ökonomisch eine Milchmädchenrechnung. Denn natürlich muss man die der Stadt entgangenen Erlöse aus der deutlich gewachsenen Außenwerbung dagegenrechnen, die Walls Anfangsinvestitionen inzwischen amortisiert haben. Womöglich sind die schicken City Toiletten für Berlins Steuerzahler so gesehen ganz schön teuer.

Hier für Transparenz zu sorgen, ist ein nachvollziehbares Anliegen der rot-rot-grünen Koalition. Aber wer ein bewährtes System ersetzen möchte, sollte sicher sein, dass er in ander...

Lesen Sie hier weiter!

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen