Kommentar: Armin Laschet ist längst nicht abgeschrieben

·Reporter
·Lesedauer: 3 Min.

Der Bundestagswahlkampf kommt der Union vor wie ein Strudel: Er zieht sie nach unten. Doch die heiße Phase beginnt erst jetzt. Und manche kurzweilige Emotion wird bald wieder vergessen sein. Das ist Armin Laschets letzte Chance.

Armin Laschet in einem Gebäude des von der Flut getroffenen Swisttal (Bild: Rolf Vennenbernd/Pool via REUTERS)
Armin Laschet in einem Bau des von der Flut getroffenen Swisttal (Bild: Rolf Vennenbernd/Pool via REUTERS)

Ein Kommentar von Jan Rübel

Der Trend ist ein Genosse. Beharrlich arbeiten sich die Sozialdemokraten nach oben. Zwar kommen sie aus dem Keller, aber der Aufstieg beeindruckt und macht den Wahlkampf besonders spannend: In vielen Umfragen steht die SPD kurz davor, zur Union aufzuschließen.

Das liegt am Bild der Verlässlichkeit, das Olaf Scholz für die SPD vermittelt. Und am trostlosen Gemälde, das man sich gemeinhin gerade vom Mitbewerber Armin Laschet von der CDU malt.

Schlafwagenwahlkampf ist vorbei, nun beginnt die letzte und entscheidende Etappe. Läuft es so weiter, sieht es schlecht für die Union aus. Nichts will gelingen.

Selbst zufriedene Merkel-Wähler finden derzeit keine Freude daran, sich an die letzten vier Regierungsjahre zurückzuerinnern, die sie eigentlich für recht gelungen halten – aber aktuell ist Meckern angesagt. Was hat der Laschet da wieder dreist in die Kamera gelacht? Wo hat er zum Klima gedruckst? Ist er nicht Best Buddies mit diesen Afghanistanversagern Annegret Kramp-Karrenbauer und Horst Seehofer? Ach, und der Chef des BND mit diesen falschen Lageberichten, ist der nicht auch von der CDU?

Haltungen, die bleiben

Dann auch noch die neuen komischen Farben der Union auf den Plakaten: Das bekannte Orange taucht sich zunehmend in schüchternes Braun, "CDU" steht immer kleiner drauf, als würde man sich dafür schämen. Und schließlich sehen die Kandidaten meist schlechter aus als die der anderen Parteien – man ist gewillt, der Union alles vorzuwerfen, auch das ausbleibende Sommerwetter.

Doch all das hat nur wenig bleibenden Wert.

Lesen Sie auch: CSU-Generalsekretär Blume dringt auf "Vollgas" im Unions-Wahlkampf

Je näher der Wahltermin rückt, desto schwerer werden Grundüberzeugungen wiegen. Welche Partei man früher gewählt hat oder hätte, ob man sich eher links, mittig oder rechts sieht. Dann ist weniger überzeugend, ob Scholz eine gute Plakatfotografie erwischte oder was Laschet Kluges zu Afghanistan sagt. Am Ende wird es grundsätzlich.

Daher ist Laschet längst nicht abgeschrieben. Zwar nehmen Grundüberzeugungen in unserer Gesellschaft ab, die politischen Differenzen verschwimmen immer mehr – aber das heißt auch, dass die aktuelle Welle der Laschetschen Verulkung auch ihr Ende finden wird, von strukturellen Fragen an die Seite geschoben wird; weil alles kurzlebig geworden ist, auch die Missgunst gegenüber Laschet.

Wer ist der beste Merkel?

Bisher scheint die Strategie der SPD aufzugehen, Scholz als legitimsten Nachfolger der amtierenden Kanzlerin zu präsentieren. Ob sie mit dieser Nummer durchkommt, ist aber noch nicht entschieden. Denn immerhin war Laschet über viele Jahre hinweg ein loyaler Unterstützer Angela Merkels.

In diesem vor Fettnäpfchen triefenden Wahlkampf wird entscheidend sein, wem der drei Kandidaten, Annalena Baerbock von den Grünen, Laschet oder Scholz, der nächste große Bock unterlaufen wird. Der nächste große Fehltritt kann den Trend für die SPD untermauern oder ihn stoppen und für die Union umkehren. Die Scheinwerfer sind an.

Im Video: Laschet besucht Chip-Hersteller in Dresden

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.