Kommentar: Das Weihnachtslied ist diesmal ein Coronablues

  • Hoppla!
    Ein Fehler ist aufgetreten.
    Versuchen Sie es später noch einmal.
·Reporter
·Lesedauer: 3 Min.
In diesem Artikel:
  • Hoppla!
    Ein Fehler ist aufgetreten.
    Versuchen Sie es später noch einmal.
  • Weihnachtsspecial
    Weihnachtsspecial

Heute Abend werden Bund und Länder den Kurs vorgeben, wie das Land durch Omikron segeln soll. Es wird stürmisch werden. Und für viele einsamer, als einem lieb ist. Was dagegen getan werden kann.

Über den Wolken: Anfang Dezember wird der Weihnachtsmann in Carlsbad, Kalifornien, bei ersten Flugversuchen gesichtet - garantiert coronasicher (Bild: REUTERS/Mike Blake)
Über den Wolken: Anfang Dezember wird der Weihnachtsmann in Carlsbad, Kalifornien, bei ersten Flugversuchen gesichtet - garantiert coronasicher. (Bild: REUTERS/Mike Blake)

Ein Kommentar von Jan Rübel

Wenn wir keine Panik schieben, wird das Klopapier für alle reichen. In weihnachtlichen Hamsterkäufen sind wir eh geübt, da gilt es also neben dem Gedanken an den Raclettekäse auch den Blick zu haben: für sich. Und die anderen.

Nicht unbedingt wegen Weihnachtsmann, Christkind & Co, sondern wegen Omikron. Diese Virusvariante aus dem Schoße Coronas will uns die Festtage vermiesen, und leider können Wissenschaftler*innen mit mathematischer Sicherheit schon jetzt feststellen, dass sie dies auch tun wird.

Die Politik sieht sich unter Zugzwang. Nun tue doch etwas, leiern mal wieder die Wissenden. Nun lass uns doch endlich, meckern die Müden. Herauskommen wird eine Art fauler Kompromiss, ein Lockdown Light, der das Virus nicht wirksam genug eindämmen wird, aber ein Komplettdesaster zu umgehen versucht. Wie ein solches aussieht, würden die mehreren hundert Toten, die jeden Tag aufs Neue aus den Krankenhäusern getragen werden, erzählen, wenn sie könnten. Omikron wird in der Lage sein, viele Menschen zeitgleich erkranken zu lassen, nicht lebensgefährlich, aber eben sie "in der Arbeit ausfallend" zu haben – was zu strukturellen Ausfällen bei wichtigen Dienstleistungen führen kann; damit meine ich nicht die Pizzaboten. Es ginge zum Beispiel um Krankenhäuser, Polizei oder Feuerwehr.

Wieder selber ran

Auf jeden Fall werden die großen Partys zu Silvester ausfallen. Mengenhafte Zusammenkünfte sind zum Jahreswechsel No-Gos. Das schmerzt vor allem die Gastgeber*innen, die Kultur, die Gastronomie und die vielen darbenden Veranstalter. Aber es nützt ja nichts.

Darüber hinaus liegt es wieder an den Einzelnen, denn die Vorgaben reichen eigentlich nicht aus. So müssen wir Bürger*innen wieder allein ermessen, wie viel an Kontakt und Nähe, an kollektivem Spaß und Austausch wir uns WIE geben werden. Weihnachten und Silvester hab ich mir jedenfalls anders vorgestellt.

Und zum Ratgeberonkel habe ich nie getaugt, weiß auch nicht, was man jetzt tut, wenn bisher keine Leidenschaft fürs Häkeln oder Origamibasteln gewachsen ist. Die Kunst wird vielleicht darin bestehen: Wie lasse ich diesen Mist mich nicht anknabbern? Wie erneut dem Psychodruck widerstehen? Und was ist mit jenen, die allein sein werden? Der Jahreswechsel wird alles andere als ein Freedom Day werden. Bleibt nur übrig, das Beste draus zu machen: Sich auf Achtsamkeit konzentrieren, viele Leute einfach mal anrufen, rausgehen, aktiv sein, irgendwie kommunizieren; die kommende Einsamkeit bewusst angehen, um nicht einzugehen.

Alles neu macht der Mai

Klingt leicht niedergeschrieben. Aber zum einen wird es uns nicht verboten sein werden, die frische Luft zu schnuppern und von den Nächsten etwas mitzukriegen. Und zum anderen wird dieses schmerzhafte Déjà-Vu sein Ende spätestens im Frühling finden. Dann wird diese Welle abgeebbt sein, das Virus sich wegen der Temperaturen passiver verhalten und vielleicht – ja, vielleicht wird dann die Impfquote weiter nach oben getrieben sein; was uns als Gesellschaft physisch resilienter machen wird. Bis dahin muss jede und jeder auf den eigenen Seelenschutz und den anderer schauen. Ich sag mal Weihnachtsmann, Christkind & Co Bescheid, dass wenigstens die Bescherung stimmen soll.

Im Video: Nach Weihnachten - SPD-Chef Klingbeil will strengere Kontaktregeln

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.