Kommentar: Die Männer nach Armin Laschet

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Januar 2021: Armin Laschet, Norbert Röttgen und Friedrich Merz ringen um den Parteivorsitz - da interveniert per Videoschalte Jens Spahn. Nun könnte er das Rennen machen (Bild: Odd Andersen/Pool via REUTERS)
Januar 2021: Armin Laschet, Norbert Röttgen und Friedrich Merz ringen um den Parteivorsitz - da interveniert per Videoschalte Jens Spahn. Nun könnte er das Rennen machen (Bild: Odd Andersen/Pool via REUTERS)

Der CDU-Vorsitzende deutet seinen Rückzug an. Schon wird in der Partei mit den Hufen geschart. Doch wer wird neuer Chef? Wer sollte es werden – und wer nicht?

Ein Kommentar von Jan Rübel

Noch ist er nicht weg. Und gut möglich, dass Armin Laschet länger an der Spitze der CDU stehen wird, als sich die meisten in ihren Träumen und Alpträumen vorstellen. Dennoch: Der gescheiterte Kanzlerkandidat verantwortet eine historische Niederlage der Union. Einen Trümmerhaufen hat er errichtet, und entsprechend fliehen aus ihm jene, die noch etwas werden wollen – in der Partei, im Staat.

Die einzig halbwegs sichere Voraussage ist, dass der CDU-Vorsitzende der kommenden Jahre ein Mann sein wird. Denn in den vorderen Reihen wirkt kaum eine Frau, die sich vorerst erfolgreich nach oben manövrieren könnte; die CDU bleibt eine Männerpartei. Doch wer wird es machen?

Er sollte es werden: Norbert Röttgen

Norbert Röttgen vor der Bekanntgabe des Unions-Wahlprogrammes im Juni (Bild: Odd Andersen/Pool via REUTERS)
Norbert Röttgen vor der Bekanntgabe des Unions-Wahlprogrammes im Juni (Bild: Odd Andersen/Pool via REUTERS)

Beginnen wir mit dem Kandidaten, welcher der Partei am ehesten gut tun würde – oder ihr am wenigsten schadete. Norbert Röttgen rang schon einmal recht chancenlos um den Parteivorsitz und holte kein abgrundtief schlechtes Ergebnis. Auch hat er Regierungserfahrung als ehemaliger Bundesumweltminister, den Auswärtigen Ausschuss des Bundestages leitete er, wie auch politische Gegner sagen, gut. Nachdem Laschet Kanzlerkandidat wurde, reihte sich Röttgen ein. Er gehört nicht zu den „Alten“, auch kaum zum „Establishment“. Der Rheinländer hat rhetorisches Talent und ist mit seinem Hirn schneller als viele andere. Durch seine unaufgeregte Art könnte er als oberster CDU-Heiler zuhören und Kitt anrühren. Der Typ Schwiegersohn wäre die rechte Medizin für die angeschlagene Partei.

Er sollte es nicht werden: Friedrich Merz

Friedrich Merz vor einem Treffen der neuen Unionsfraktion Ende September (Bild: AFP / John MACDOUGALL)
Friedrich Merz vor einem Treffen der neuen Unionsfraktion Ende September (Bild: AFP / John MACDOUGALL)

Der Sauerländer verbucht für sich Wirtschaftskompetenz und knochigen Konservatismus. Führungsqualitäten hat Friedrich Merz durchaus. Als CDU-Parteichef wäre er einer der klaren Ansagen und bis in die unteren Riegen hinein würde er sich versichern, dass er der Unionshäuptling wäre. Dass er nicht mehr der Jüngste ist, spricht auch nicht gegen ihn; längst emanzipiert sich das politische Verständnis der Massen weg von Stereotypen wie jung=dynamisch oder alt=Auslaufmodell – in den USA haben es Politiker wie Bernie Sanders oder Joe Biden vorgemacht (von Donald Trump reden wir lieber nicht). Aber ein Schamane ist Merz nicht. Und den braucht die Partei dringend. Merz stürmt zu sehr auf dem rechten Wirtschaftsflügel und verfügt über entsprechend schlechte Bande zu den Sozialpolitikern, deren Einfluss gerade wächst. Sein autoritärer Stil würde ständig parteiinternen Widerstand hervorrufen. Und visionsreich ist er auch nicht gerade.

Er wird es werden: Jens Spahn

Jens Spahn bei einer Corona-Pressekonferenz Anfang Juli (Bild: John Macdougall/Pool via REUTERS)
Jens Spahn bei einer Corona-Pressekonferenz Anfang Juli (Bild: John Macdougall/Pool via REUTERS)

Meine Güte, schon wieder ein Nordrhein-Westfale. Aber dieser hier hat gute Karten: Weil Jens Spahn der Ehrgeizigste ist, wird er am beherztesten zugreifen. Er ist jung, was ihm kein Schaden ist. Er ist ein bisschen wie Österreichs Noch-Kanzler Sebastian Kurz, der zielstrebig in Sachen eigener Karriere marschiert. Spahn will mehr. Bundesgesundheitsminister wird er wohl auch nicht bleiben – da wird er nach allem greifen, was in die Nähe kommt. Auch hätte er seinen Job als Gesundheitsminister in Zeiten der Pandemie schlechter machen können; der Verfehlungen sind nicht wenige, aber sie sickern weniger ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Spahn zeigte ferner, dass er zurückstecken kann, reihte sich hinter Laschet ein, brachte sich aus jeder Schusslinie und wird nun abwarten. Er wird versuchen, den richtigen Sound zu treffen, den der Bienenkorb der Partei braucht: die Wirtschaftsliberalen und Konservativen, die Sozialpolitiker und die Vernunftmerkelianer. Wie lange er sich halten kann, ist allerdings ungewiss – das sieht man gerade an Leuten seines Kalibers wie Sebastian Kurz.

Video: Wer folgt auf Laschet? CDU-Politiker bringen sich in Stellung

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