Kommentar: Die SPD wird die Linke im Endspurt fallen lassen

·Reporter
·Lesedauer: 3 Min.
Natürlich ein Bild aus Vor-Corona-Zeiten: Gregor Gysi (links) von der Linken und Olaf Scholz (SPD). (Bild: REUTERS/Fabrizio Bensch)
Ein Bild aus Vor-Corona-Zeiten: Gregor Gysi (Linke) und Olaf Scholz (SPD). (Bild: REUTERS/Fabrizio Bensch)

Die Union warnt vor einem rot-rot-grünen Regierungsbündnis. Doch die SPD wird sich ihren Lauf nicht vermasseln lassen – und die Linke auf Abstand halten.

Ein Kommentar von Jan Rübel

In diesem Endspurt zwängt sich der Wahlkampf durch ein Nadelöhr. Wer mit wem – das wird die sich aufdrängende Frage. Doch anstatt damit den kleineren Parteien FDP, AfD und Linke einen größeren Spielraum zu verleihen, verzwergen sich die drei in diesen letzten drei Wochen vor den Wahlen am 26. September immer mehr. Und in den Vordergrund gerät: Wer zieht ins Kanzleramt?

Das erste von drei Triellen hat Leben in die Schlafbude gebracht. Ein echter Wettkampf zwischen drei Personen, Annalena Baerbock (Grüne), Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD), ist entbrannt.

In seiner Not greift Laschet nun in die Mottenkiste und warnt vor den sprichwörtlich gewordenen roten Socken – vor einer Koalition von SPD, Grünen und Linke, die derzeit eine hauchdünne Mehrheit hätte. Es ist der wunde Punkt der auf der Überholspur fahrenden Sozialdemokraten: Denn eindeutig ausschließen wollte Scholz eine Koalition mit der Linken bisher nicht.

Allerdings fährt der Hanseat derzeit einen klaren Mitte-Merkel-Kurs. Für linke Ränder ist in seiner Kampagne kein Platz. Daher wird in diesen Tagen folgendes passieren: Entgegen der klaren Absicht, vor den Wahlen keiner Ausschließeritis anheim zu fallen, wird die SPD im vornherein der Linken einen Korb geben. Nun, kurz vor der Ziellinie, will sich Scholz mit gestrigen Vorwürfen nichts ins Straucheln bringen lassen. Hauptsache, vor Laschet dastehen, das ist seine Devise. Und dann könnte Scholz sich seine Regierung schon zusammenbasteln, mit den Grünen, mit der FDP oder gar mit der Union; die Linke war eh nie richtig nach seinem Gusto.

Die Verlockung ist groß

Natürlich, Scholz steht nicht für die gesamte SPD. Und viele sehen in Rot-Rot-Grün eine politische Machbarkeit und Perspektive. Aber momentan ist Unterordnung ein früher ungelebter Wert unter den Genossen geworden. Für die Aussicht, endlich nicht mehr als Juniorpartner im Maschinendeck zu malochen, sondern auf dem Sonnendeck die Befehle zu erteilen, werden manche Sozialdemokraten manche Kröten schlucken.

Mit solch einem Schritt würde die SPD der Union ihren aktuell stärksten Trumpf aus der Hand nehmen.

Und die Linke krebst gerade eh zwischen sechs und sieben Prozent. Wie die AfD kann sie derzeit nur ihre Stammklientel mobilisieren, während SPD und Grüne gar darauf schielen können, von überall Stimmen einzuheimsen.

Die Linke wird also fallengelassen. Natürlich war die Enthaltung der Linksfraktion beim Mandatsbeschluss des Bundestags absurd, als es darum ging, mit Hilfe des Militärs von den Taliban bedrohte Menschen aus Afghanistan ausfliegen zu lassen. Typische linke Selbstbeschäftigung. Aber die Häme, die sie dann dafür erntete, war maßlos übertrieben und auch vom schlechten Gewissen gespeist, in Sachen Afghanistan vieles falsch gedacht und gemacht zu haben.

Von Riesen und Zwergen

Die Linke wird zur heißen Kartoffel. Die FDP wird ihren Schnitt halten, aber auch weniger durchdringen. Und die AfD hat kein einziges Thema, mit dem sie gerade auffallen könnte: Auf die Fragen, welche die Menschen beschäftigen, hat sie keine Antwort – sei es Klima, Digitalisierung oder soziale Unsicherheiten.

Daher entwickeln sich CDU, Grüne und SPD zu Staubsaugern. Sie werden noch mehr Voten einsammeln. Und die anderen kleineren Parteien rasseln durch den Rost.

Video: Merkel geht zur Attacke auf Scholz über

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.