Kommentar: Diese Klimakonferenz verkauft den Planeten

·Reporter
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Entscheidende Tage in Glasgow: Es geht nicht um ein Fußballspiel oder um den Verbleib Schottlands in Großbritannien – sondern um die Zukunft der menschlichen Zivilisation. Das liegt auf der Waagschale. Doch die 26. Klimakonferenz droht zu scheitern, wenn nicht noch ein Wunder geschieht.

Gipfel der warmen Worte: Der britische Premierminister Boris Johnson eröffnet die 26. Klimakonferenz (COP) in Glasgow (Bild: Alberto Pezzali/Pool via REUTERS)
Gipfel der warmen Worte: Der britische Premierminister Boris Johnson eröffnet die 26. Klimakonferenz (COP) in Glasgow (Bild: Alberto Pezzali/Pool via REUTERS)

Ein Kommentar von Jan Rübel

Mit dem Klimaschutz sollte man es machen wie die AfD, nur umgekehrt: Die Partei geht immer die gleichen zwei Schritte. Zuerst sagt sie, der Klimawandel sei nicht menschengemacht. Und dann widerspricht sie sich und behauptet: Deutschland allein könne nichts ausrichten – was insgeheim einräumt, dass da doch ein Problem im Raum schwebt, nämlich: der menschengemachte Klimawandel.

Gerade kommen die Staaten zur 26. Klimakonferenz (COP) zusammen, diesmal in Glasgow, und sie sollten an die AfD denken. Wenn erstens der Klimawandel von uns herbeigeführt ist, müssen WIR ihn wieder zurückführen, das können wir weder den Blumen noch den Bienen überlassen. Und wenn noch immer zu viele Regierungen unwillig sind, die nötige Verantwortung zu übernehmen, dann müssen andere vorangehen und die Täter schonungslos an den Pranger stellen. Es nützt ja nichts.

Studie: Klimaschutz macht sich schon kurzfristig bezahlt

Es gibt auch keine Alternative zur COP. Reden, reden, reden. Klingt mühsam, ist aber unersetzlich. Doch dann muss gemacht werden.

Bisher zeichnet sich bei der Konferenz ab, dass wichtige Regierungspolitiker dort nur mittelfristige Ziele ausrufen wollen. Es geht um die Verminderung von CO2-Emissionen, also recht viel um den Gebrauch von Kohle, und dazu sind diese Politiker zwar bereit. An Ergebnissen messbar wollen sie aber erst in einer Zeit sein, wenn sie bestimmt nicht mehr im Amt sind – oft ist die Rede von 2050. Das ist im Wortsinn ein "Nach mir die Sintflut".

Solidarität ist ein Wort mit vielen Buchstaben

Natürlich müssen die bisherigen Bremser mitgenommen werden, wir brauchen sie ja. Aber jetzt muss ein heftiger Konflikt her. Das autokratisch regierte Russland, das diktatorisch verwaltete China, das quasi faschistisch beglückte Brasilien und das von Monarchen kontrollierte Saudi Arabien interessieren sich nicht für die menschliche Zukunft des Planeten? Dann sollte man auf sie auch keine Rücksicht mehr nehmen.

Das demokratisch regierte Australien will auf seine Kohlebequemlichkeiten nicht verzichten? Und Deutschland redet viel, macht aber wenig? Was ist mit sozialistisch orientierten Ländern in Südamerika, die sich auch gegen einen Wandel stemmen?

Die Wut auf all diese Unfähigkeiten wird aus dem Kessel kommen. Noch sind es die jungen Aktivisten von Fridays for Future (FFF), die demonstrieren. Bei Extinction Rebellion sind sie schon radikaler mit ihren Aktionen. Und all dies wird stark zunehmen. Der Unmut über die verschlossenen Augen wird sich ein Ventil suchen und finden.

Eine Frage des Willens

Daher müssen jetzt die Regierungen, die eins und eins zusammenzählen wollen, allein handeln. Selbst ihre Gesellschaften umbauen, schnell und durchgreifend. Es nützt ja nichts. Was eine Koalition der Willigen verrichten kann, muss sie nun tun. Es ist mittlerweile die 26. globale Konferenz, und die Zeit der warmen Worte und des Ertragens von Verschleppungsmanövern ist mittlerweile so lange vorbei, dass der Druck von unten Veränderungen herbeiführen wird. Es werden ja nicht alle es auf irgendeine Raumstation von Jeff Bezos schaffen.

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