Kommentar: Donald Trump ist Wahlfavorit

Hauptsache machtvoll: Präsident Donald Trump (Bild: REUTERS/Leah Millis)

Die US-Präsidentschaft wird im November neu gewählt. Und Trump hat gute Chancen wieder zu gewinnen – die oppositionellen Demokraten machen zu viele Fehler.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Die Vehemenz, mit der die Republikanische Partei hinter Donald Trump steht, erstaunt kaum. Zwar schüttelt man auch dort den Kopf über diesen Unhold, zuckt alle drei Stunden über seine Politik – aber Trump steht für Macht und Machtaussicht. Das schweißt zusammen. Und so lassen die Republikaner das Amtsverfahren gegen den Präsidenten trotz offensichtlich illegalen Verhaltens an sich abperlen. Never change a winning team!

Denn Trump kann sich derzeit alles erlauben, während die oppositionellen Demokraten alles falsch machen. Trump hat durch seinen brachialen und unmoralischen Dauerauftritt die Regeln dessen verändert, was erlaubt ist. Keiner lügt und hetzt so gut wie er. Und keiner ist in den Medien so präsent wie er, dazu reichen ihm nur ein paar seiner dämlichen Tweets.

Die Demokraten dagegen haben einen schweren Stand. Denn zum einen dringen sie nicht vergleichsweise durch. Und zum anderen befinden sie sich noch im Zustand der Selbst-Zerfleischung.

Wer gegen Trump antritt, ist nicht entschieden. Die Vorwahlen beginnen bald, und noch sind mehrere Kandidaten im Rennen; damit stehlen sie sich selbst die Show.

Niemand liegt eindeutig vorn

Der aussichtsreiche Bewerber, Joe Biden, erreicht nicht die von ihm erhoffte und allgemein erwartete Strahlkraft. Sein Charme wirkt bemüht. Sein nicht geringes Alter hilft nicht, und Trumps ätzendes Manöver, Biden über das Engagement seines Sohnes in der Ukraine irgendeinen Malus anzuhängen, verfängt – ganz unabhängig davon, was an den Mutmaßungen dran ist, nämlich höchstwahrscheinlich nichts: Aber ein bisschen Dreck wird nach dem Wurf kleben bleiben.

Eine gute Performance legen Elizabeth Warren und Bernie Sanders hin. Doch beide landen mit ihren politischen Positionen weit links von der Mitte, in die sie hinein erfolgreich wirken müssen. Und sie attackieren sich gerade gegenseitig; Warren spielt gekonnt den Vorwurf aus, Sanders habe ihr gegenüber Zweifel geäußert, ob eine Frau gegen Trump gewinnen könne.

Doch dieses Duell birgt Gefahren. Denn Wahlumfragen und -erfahrungen zeigen, dass die Wähler sich weniger für Geschlechterfragen und feministische Positionen interessieren. Beide gehen langfristig geschädigt aus dieser Konfrontation heraus. Und Sanders ist sicherlich der herausragende Anti-Typ zu Trump. Überaus beliebt, mit einer festen Anhängerschar. Aber sein Alter ist ebenfalls nicht jugendlich und daher eine Angriffsfläche im Wahlkampf.

Auch die anderen Bewerber haben noch Chancen: Milliardär Bloomberg ist ins Rennen eingestiegen, Buttigieg noch nicht draußen. Klobuchar behauptet sich. Und dann gibt es noch die Stänkerei von der Seitenlinie: Hillary Clinton, gegen Trump unterlegene Kandidatin der Demokraten bei den letzten Wahlen, hat nun gegen Sanders ausgeholt: "Keiner mag ihn, keiner will mit ihm zusammenarbeiten", sagte sie. In seiner langen Zeit als Senator habe Sanders nichts zustande gebracht. Der 78-Jährige verbreite "Blödsinn" und viele würden ihm auf den Leim gehen. Wie Sanders es schafft, dass ihn nach Clinton keiner mag und dennoch ihm viele auf den Leim gehen, erklärt die frühere Außenministerin nicht. Mannschaftsgeist jedenfalls lässt sie dadurch nicht aufkommen; die Republikaner wird es freuen.

Alle Kandidaten der Demokraten machen den Fehler sich auf Trump zu versteifen. Ihn kritisieren sie, machen ihn zum Thema. Und steuern damit zu seiner Omnipräsenz bei, sie reagieren nur auf ihn, während Trump weiterhin die Agenda bestimmt.

Die liegengelassenen Punkte

Dabei gäbe es viele Themen, typisch demokratische, mit denen man Trump beikommen könnte. Die Gesellschaft interessiert sich für eine solide Gesundheitsfinanzierung, für Krankenversicherungen, für Arbeitnehmerrechte, Mindestlöhne und Alternativen für wegfallende Arbeiterjobs. Sie hat auch zunehmend Angst vor dem Klimawandel. Und Trump liefert zu all diesen Fragen: nichts. Es wäre die Chance der Demokraten klarzumachen, wofür sie stehen. Welche ihre Ziele sind, wenn sie regieren sollten. Ein einfaches Trump-Muss-Weg reicht da nicht.

Und so könnte selbst das Amtsenthebungsverfahren gegen Trump den Demokraten schaden. Alle, sie eingeschlossen, schauen auf die Vorgänge im Senat. Auch das lenkt ab von positiven Punkten, welche die Demokraten setzen könnten, zieht jede Aufmerksamkeit auf Trump.

Derzeit sieht es gut aus für Trump – trotz der vielen Existenzsorgen vieler Amerikaner. Er labert einfach weiter. Und den Demokraten fehlt der Rückenwind. Noch.