Kommentar: Donald Trumps gefährliches Corona-Geplauder

US-Präsident Donald Trump bei einer Pressekonferenz zum Corona-Virus (Bild: REUTERS/Jonathan Ernst)

Der US-Präsident spricht über Corona komisches Zeug. Damit redet er sein eigenes Land um Kopf und Kragen.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Man sollte meinen: Das ist seine große Zeit. Es herrscht Krise, da ist jetzt überall Exekutive gefragt hat, also echte Bosskompetenz. Doch Amerikas oberster Executive Donald Trump zeigt im Schatten der Corona-Krise eine seltsame Figur.

Nur um es nicht gleich zu vergessen: Noch vor wenigen Wochen beschrieb der US-Präsident das Corona-Virus als „Schwindel“. Dann schien es ihm ein Trick der Demokraten zu sein, um ihn loszuwerden – so ist es mit Narzissten, die denken, alles drehe sich um sie selbst.

Entlarvende Sprache

Doch mittlerweile ist Corona in den USA angekommen. Es trifft auf ein löchriges Gesundheitssystem, die Zahlen der Infizierten und der Toten schnellen rasant in die Höhe. Längst ist Amerika im Krisenmodus.

Doch was machte Trump? Zuerst gab er sich redliche Mühe, das Virus kleinzureden, dann erklärte es zum Fremdling. Überall auf der Welt heißt es Corona-Virus, doch Trump sprach vom „chinesischen Virus“. Immerhin, und da ist er zu loben, sah er ein, welch rassistischen Kram er damit lostrat, nämlich Pöbeleien und Angriffe auf chinesischstämmige Amerikaner – und stellte sich dagegen. Nun redet er von der „unsichtbaren Plage“.

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Und kann nicht anders, als sich und sein Land als am besten darzustellen. "Wir machen einen hervorragenden Job bei der Bewältigung der Krise", heißt es von ihm. "Noch nie hat jemand mehr geleistet." Oder: "Alles wird gut. Wir werden die Schlacht gegen den unsichtbaren Feind gewinnen. Es geht voran."

Dabei gibt es eine Reihe von Halbwahrheiten. Zuerst behauptete Trump, es gebe genügend Tests. Die Wirklichkeit sieht anders aus, selbst Heidi Klum beklagte sich über die Sozialen Medien, dass sie an keinen Test herankomme.

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Derweil Trump: „Teile des Landes sind nur leicht betroffen. Die Zahlen sind sehr gering.“ Vielleicht meinte er ein paar Wüstenflecken in Texas. Doch die Einwohner von New York, deren Stadt ein großes Epizentrum wird, können sich davon keinen Blumentopf kaufen.

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Das Land als Laden

Auch verkündete Trump, mit steigenden Temperaturen werde das Virus eh wieder verschwinden. Sein Motiv ist klar: Bis zu den Präsidentschaftswahlen im November soll Corona als Thema erledigt sein – und Trump sieht die größten Gefahren durch Corona in der wirtschaftlichen Rezession. Die Wirtschaft soll schnell wieder angekurbelt werden, dabei redet er von Amerika wie von einem Geschäft: „America will again and soon be open for business“ – bald sind die Ladentüren wieder offen…

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Denn Trump will als Präsident nicht für die Wirtschaftskrise in Haftung genommen werden. "Ich würde es lieben, das Land bis Ostern wieder geöffnet und in den Startlöchern zu haben", sagte er. "Unser Land will zurück an die Arbeit." Durch eine "massive Rezession oder Depression" drohten mehr Menschen zu sterben als durch die "Grippe" - mit diesem Wort meinte Trump vermutlich die durch Corona ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19, die er in einem seiner Tweets auch mal als „Carona“ bezeichnet hatte.

All diese Worte können töten. Die Ausbreitung des Virus muss jetzt eingedämmt werden. Jetzt muss es Distanz zwischen Menschen geben – Trumps Worte könnten zu Unachtsamkeiten führen und damit zu noch mehr Infizierungen, noch mehr Toten und übrigens noch mehr Kosten für das Gesundheitssystem und damit für jeden US-Bürger.

In Zeiten wie diesen braucht ein Land Regierungschefs mit Charakter und einem Wertefundament. Beides ist gerade im Weißen Haus verwaist.

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