Kommentar: EM-Finale – Es war doch nur ein Spiel

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Die Fußball-Europameisterschaft ist zu Ende. Nach einem langen, langen Finale (Bild: REUTERS/Michael Regan)
Die Fußball-Europameisterschaft ist zu Ende. Nach einem langen, langen Finale (Bild: REUTERS/Michael Regan)

Die Fußball-Europameisterschaft ist zu Ende. Noch nie gab es bei einem Turnier so viel Getöse auch neben dem Platz. Am Schluss war diese komischste EM aller Zeiten aber doch nur ein Spiel.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Eine Menge Leute atmeten in der Nacht zum Montag tief auf. Ursula von der Leyen zum Beispiel, die EU-Kommissionschefin hatte sich vor dem Finale der Fußball-Europameisterschaft im Italien-Trikot ablichten lassen – dass man England, nach all dem Brexit-Chaos und den ständigen Finten des britischen Premiers Boris Johnson, dann auch noch einen Triumph bei der EM hätte gönnen müssen, das wäre dann doch etwas viel gewesen.

Die Schotten hatten auf Italien all ihre Hoffnung gesetzt, weil sie mit England noch eine historische Braveheart-Rechnung offen hatten. Die Dänen waren auch auf die Three Lions sauer, weil sie an ihnen im Halbfinale durch einen geschenkten Elfmeter gescheitert waren, und weil die englischen Fans nicht gerade mit einer Teetasse in der rechten Hand ins Stadion gewandert waren.

Überhaupt die Fans. Die Szenen vor und im Wembley-Stadion muteten befremdend an. Da stürmten Dutzende ohne Ticket hinein, lieferten sich Jagden mit den Ordnern, es wurde nicht eng, sondern engst. Das Coronavirus feierte sein eigenes Finale.

Bälle rund wie Aspirin

Aber am Ende war es doch nur ein Spiel. Die englische Mannschaft, obwohl sie der italienischen im Finale spielerisch unterlegen war, hätte trotzdem gewinnen können, und heute wären Europa und die EU keine anderen. Die englischen Spieler hätten im Elfmeterschießen zum Beispiel auch einmal mehr Treffsicherheit zeigen können; alles hat ja ein Ende, auch das Elfertrauma Englands, nur die Wurst hat zwei…

…so aber atmeten viele heute Nacht auf. In Erinnerung bleiben allerdings Szenen, die zu Kopfschmerzen taugen. Die Show zum Beispiel, die vor dem Match im Stadion gebracht wurde, zeigte Tanzeinlagen, von denen mich am meisten beeindruckte, dass die Artisten alle Masken trugen. Zuerst dachte ich: wie vorbildlich. Dann sah ich aber die übervollen Ränge, auf denen eine Maske in der Regel Fehlanzeige war, und wo die Leute durchaus enger standen als die Tänzer auf dem Rasen – und ich dachte, dass diese UEFA einen immer wieder aufs Neue verachten kann. In ihrem Hohn auf menschlich Gebotenes.

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Es blieb dabei, dass die Funktionäre der UEFA auf Corona pfiffen, und das nicht aus Sportsgeist. Ihre Politik wird Leiden, Krankheit und Tod zur Folge haben.

Aber was ist zu erwarten von einem Vereinshaufen, der eine Bandenwerbung von Qatar Airways zeigt, auf der „Fly greener“ stand und man sich fragen musste: Wie geht denn das, mit einem Flugzeug grüner fliegen? Sattelt die Fluggesellschaft nun auf Segelflugzeuge um? Aber dann versuchte es Englands Raheem Sterling wieder einmal mit einer Schwalbe und verdeutlichte, was wohl mit grünem Fliegen gemeint war; zum Glück dokumentierte er trotz dieser Unsportlichkeit auch, welch ein guter Außenstürmer er ist, der die italienische Abwehrreihe allein ins Schwitzen brachte. Es war doch nur ein Spiel.

2022 wird ziemlich diktatorisch

Dann war das Finale aus, und für längere Zeit werden wir nicht auf den Schriftzug „2020“ schauen, den die im vergangenen Jahr auf dieses verschobene „Euro 2020“ trug. Irgendwie, das zeigt gerade dieser Sommer, war dieses Jahr ein verdammt langes gewesen. Ein Seuchenjahr. Das lassen wir lieber beiseite. Und blicken nun auf 2021 und auf 2022.

Doch dann droht neues Ungemach. Im nächsten Jahr ist ja schon die Fußball-Weltmeisterschaft. Leider in Qatar, also jenem Land, in dem eine Diktatur der Minderheit über globale Sklavenarbeiter herrscht, die zu hunderten beim Hochkloppen der Stadien starben. Die Regenbogensymbolik jedenfalls, mit der sich der DFB schmückt, kann er dann leicht vergessen – strebt er doch an, von Qatar Airways gesponsert zu werden, und in Qatar hat man es nicht so mit Freiheiten, auch nicht mit sexuellen. Aber ich vergaß: Es geht dem deutschen Fußballverband nur ums Geld. Manchmal ist es doch nicht nur ein Spiel.

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