Kommentar: Frauke Petrys realpolitischer Kurs ist gescheitert

Die AfD-Vorsitzende zieht sich aus Bundestagswahlkampf zurück. Die Gründe analysiert Jochim Stoltenberg.

Die Frau hat hoch gepokert – und verloren. Kurz vor dem für die Zukunft der AfD entscheidenden Strategieparteitag hat die Vorsitzende Frauke Petry das Handtuch geworfen. Überraschend verkündete sie, für eine Spitzenkandidatur im Bundestagswahlkampf nicht zur Verfügung zu stehen. Weder als alleinige Frontfrau, die sie werden wollte. Noch im Doppelpack, mit dem ihre Kritiker sie unter Kontrolle halten wollten.

Damit ist schon vor Parteitagsbeginn mit großer Wahrscheinlichkeit der weitere Kurs der AfD geklärt: nationalistisch völkische Grundorientierung gepaart mit Fundamentalopposition am politischen Grundkonsens der Republik. Für beides stehen ihre schärfsten Kontrahenten Jörg Meuthen und Alexander Gauland. Sie dürften nun zu den Aushängeschildern der AfD im Wahlkampf werden. Als Brandstifter im Geiste gesellt sich der Thüringer Björn Höcke zu den beiden. Der weitere Absturz der Partei scheint damit programmiert.

Petry hat Machtverhältnisse falsch eingeschätzt

Petry hat ihren Rückzug mit innerparteilichen Streitereien begründet. Dass sie diese mit eigenwilligen Entscheidungen und Ankündigungen kräftig befeuert hat, verschweigt sie dabei. Der Wahrheit näher kommt, dass sie Mehrheits- und damit Machtverhältnisse falsch eingeschätzt hat. Der von ihr propagierte realpolitische Kurs verbunden mit der kühnen Perspektive, nach der Wahl 2021 Regierungsverantwortung zu übernehmen, entpuppt sich schon vor der Diskussion der Parteitagsdelegierten als nicht tragfähig. Damit dürfte es nur noc...

Lesen Sie hier weiter!

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen