Kommentar: Gegen Corona hilft nur noch Durchregieren

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Eine Szene aus dem März 2021, Dresdener Gemäldegalerie. Ist es wieder soweit? (Bild: REUTERS/Matthias Rietschel)
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Es kommt alles wie vorhergesagt. Beim Impfen sind die Argumente ausgetauscht, nun hilft nur noch Druck. Und ein Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Kopfschütteln über Deutschland. In diesen drei Worten lässt sich zusammenfassen, was vielerorts auf der Welt gedacht wird: Warum kriegen die das nicht hin? Halten wir uns nicht lange mit den Gründen fürs Scheitern auf, dafür, dass in den quasi kaputtgesparten Krankenhäusern Ärzte als Weihnachtsbescherung vielleicht entscheiden müssen, wen sie retten und wen nicht.

Deutschland im Winter 2021. Aus Südafrika wird eine neue, noch ansteckendere Coronavirus-Variante vermeldet. Hier stagniert die Impfquote. Zögerlich prüft die Impfkommission, während in anderen Ländern Entscheidungen rascher getroffen werden. Deutschland ist lahm und selbstvergessen. Einer harten Gruppe von Ungeimpften ist das Grundrecht auf Ausübung von Ignoranz wichtiger als Solidarität. Sie setzt auf Sozialdarwinismus (dann sterben halt 100.000, na und?) und stetes Ichichich. Und in Österreich stirbt ein prominenter Impfgegner, der viele Proteste gegen Wasweißich organisiert hatte – entweder an Corona oder an dem komischen Chlormittel, das er sich dagegen gab; ja genau, ein gewisser Donald Trump faselte mal davon. Wäre man böse, würde man an dieser Stelle von Sozialdarwinismus reden, aber das verbietet sich natürlich. Es ist einfach nur traurig.

Alle Zahlen zeigen: Impfen hilft. Nicht so sehr wie erhofft, aber tausendmal besser als nichts. Das zeigen die Daten aus jedem Land dieses Planeten. Auch Abstände und Masken helfen, und dann wird dieser verdammte Winter, der gerade erst anfängt, auch irgendwann vorüber sein.

Zaudern hatten wir schon

Bis dahin aber muss durchregiert werden. Die Zeit des Zauderns ist vorbei. Auch die neue Ampelregierung muss sich endlich einen Ruck geben und nicht wie Außenministerin in spe Annalena Baerbock zaudernd von zehn Tagen reden, in denen man abwarten wolle, wie sich das Boostern entwickle – ja, was will man dann sehen, was man jetzt schon voraussagen kann?

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Es braucht klare Ansagen von oben. Die Spitze des Bundesgesundheitsministeriums ist noch nicht besetzt. Es gibt aber einen herausragenden Kandidaten. Karl Lauterbach ist vom Fach, er ist Mediziner und Epidemiologe, er hat an der berühmtesten Universität der Welt gelernt und lehrt noch immer dort. Er lag in seinen Einschätzungen bei Corona stets richtig und stand deshalb in einer Menge Shitstorms – das Schicksal des Überbringers schlechter Nachrichten. Lauterbach ist ein unabhängiger Kopf, ein Arbeiterkind mit starkem Gerechtigkeitsempfinden, das seinen Bundestagswahlkreis direkt gewonnen hat, er ist aus Sicht der SPD, die dieses Amt besetzen wird, eigentlich erste Wahl. Es sei denn, er erscheint den Sozialdemokraten als zu unabhängig. Doch für solche Taktierereien ist weder Zeit noch Platz. Die SPD muss sich einen Ruck geben und Lauterbach das Amt anvertrauen. Alles andere würde das Signal aussenden, dass diese Regierung nicht die Besten sucht.

Löhnen ist auch eine Lösung

Auch muss das Kanzleramt jetzt Kompetenzen bündeln und mit einem starken Krisenstab die Länder in die Pflicht nehmen. Ich bin wirklich nicht scharf auf einen Lockdown, derart soziopathisch bin ich dann doch nicht veranlagt. Aber das Bauchgefühl sagt doch schon seit Längerem, dass wir nicht mehr um einen herumkommen, für kurze Zeit.

Wer dann wieder eine Coronadiktatur schalten und walten sieht, soll das tun, es gibt ja das oben beschriebene Grundrecht darauf. Ferner tun sich auch Möglichkeiten auf, bisherigen Impfunwilligen stärker die Folgen ihres Tuns vorzuhalten. Eine Impfpflicht muss her. Das würde nicht bedeuten, dass berittene Polizeistaffeln durch die Straßen galoppieren und mit Spritzen an ihren Lanzen Jagd auf Robin Hoods machen, sondern dass es ein Bußgeld gibt, wenn man sich nicht impfen lässt. Polizisten legen einem auch nicht mit Gewalt den Gurt im Auto an, sondern drücken auf die Bußgeldapp ihres Handys. Unsoziales, auch Kosten verursachendes Verhalten, hat Folgen. Ein bisschen gehört auch zurück an den Absender. Für alles weitere, wie zum Beispiel das Märtyrer-, Opfer oder den Nationalsozialismus verniedlichende KZ-Insassen-Gehabe braucht es eins: Wachs in den Ohren.

Im Video: Neue Corona-Variante in Südafrika: Experten schlagen Alarm

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