Kommentar: Das gute Schulz-Gefühl und die Stunde der Sühne

Politischen Inszenierungen sollte man misstrauen - es spielt die Musik des Zufalls.

Schulterzucken, genervter Blick – Angela Merkels sparsame Regungen während des ersten Staatsbesuches bei US-Präsident Donald Trump gingen am vergangenen Wochenende als großes diplomatisches Theater um die Welt. Verlegenheitsgesten als angemessene Reaktion. Die Rüpelhaftigkeit ihres Gegenübers richtet sich, so die allgemeine Hoffnung, am Ende doch selbst. Und was diesem bei seinen Anhängern als Ausdruck der Souveränität und Stärke angerechnet werden mag, ist für die meisten, auf deren Erziehung ein wenig Mühe verwandt worden ist, doch vor allem eine grobe Verletzung des gebotenen Anstands. Die internationale Presse war von der Merkel'schen Minimalästhetik begeistert.

Man kann es aber auch ganz anders sehen. Ihre Engelsgeduld mit den politischen Rambos von Istanbul bis Washington, die heulen und jammern, um ein paar Aufmerksamkeitspunkte für ihre Machtinteressen zu ergattern, wird ihr nicht selten auch als Willfährigkeit ausgelegt.

Ausdruck von Amtsmüdigkeit?

Wer will, kann in der Art und Weise, wie sie da bei Trump in den Sessel gedrückt saß, einen Ausdruck von Amtsmüdigkeit erkennen. Muss ich mir diese Flegelei wirklich antun?, mag sie sich seit einigen Wochen fragen. Die Vielfalt der politischen Machtoptionen, die Merkel eben noch offenzustehen schienen, ist geschrumpft. Die Angst geht um im Konrad-Adenauer-Haus. Wäre es nicht an der Zeit, endlich die Wahlkämpferin in sich zu entdecken?

Die große Kunst des Stillhaltens, die sie trotz aller stilkritischen Begutachtungen, die die Grenze zur Despektierlichkeit in den vergangenen Jahren oft überschritten, als eine Meisterin der politischen Diplomatie erscheinen ließen, wirkt nunmehr  verbraucht. „Aufwachen“...Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung

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