Kommentar: Her mit den Freiheiten für Geimpfte!

Jan Rübel
·Reporter
·Lesedauer: 3 Min.
Auch Superman würde impfen: Ein kostümierter Arzt klopft bei einer Patientin in den USA, um gegen das Coronavirus zu impfen (Bild: REUTERS/Hannah Beier)
Auch Superman würde impfen: Ein kostümierter Arzt klopft bei einer Patientin in den USA, um gegen das Coronavirus zu impfen (Bild: REUTERS/Hannah Beier)

Langsam sind die Impfungen, aber sie kommen voran. Damit beginnen auch Ungleichbehandlungen. Wer aber die Freiheit liebt, gönnt sie auch dem Anderen.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Schon gehört? Die oder der sind schon geimpft. Tatsächlich? Hätte ich jetzt nicht gedacht, ob das mit rechten Dingen zugegangen ist…

…so hören wir alle das in unserem Bekanntenkreis. Da kann schon Neid aufkommen, dass man selber noch nicht dran ist – jetzt, wo die Infektionen wieder zunehmen, sich unter den Jüngeren ausbreiten, die Einschläge also näherkommen. Aber es nützt ja nichts. Sehen wir das alles mal gemeinschaftlich.

Jede geimpfte Person ist ein Punkt gegen das Virus. Wer geimpft ist, steckt nach bisherigem Forschungsstand andere nicht oder kaum an. Dem Virus wird also der Saft langsam abgedreht, und daraus ergeben sich die Chancen, wieder all die Entsagungen zurückzudrehen, die wir uns auferlegt haben. Es geht um die Rückerlangung unserer normalen Freiheiten.

Dies hat nichts mit Privilegierung zu tun, denn die Einschränkungen sind allen Unkenrufen von Verschwörungsfans zum Trotz nicht der angestrebte Normalzustand, sondern eine hoffentlich möglichst kurzfristige Reaktion; obwohl, nach einem Jahr, erscheint nichts mehr kurz. Es geht also um die Rückkehr in die Normalität, um Recht und nicht um Sonderrecht. Und die Meldungen häufen sich, dass wir uns diesem Ziel nähern und uns nicht davon entfernen. So viel gedämpfter Optimismus darf sein.

Ein bisschen träumen…

Daher sollten wir nach vorn denken und Fünfe gerade sein lassen: Wer geimpft oder genesen ist, sollte mehr von der alten Normalität zurückkriegen – also ohne Quarantäne verreisen, Leute treffen, den Friseur aufsuchen und sich im Restaurant niedersetzen. Für viele von uns ist das noch ein Traum. Aber warum sollte ich den anderen nicht gönnen, nur weil ich für den Pieks noch nicht an der Reihe war?

Die Gastronomen und Coiffeurs hätten sicherlich auch nichts dagegen. Eine Gleichmacherei vor der Misere hilft nämlich kaum, das Sprichwort vom geteilten Leid, das nur ein halbes Leid sei, hat nun nach den vielen Monaten der Pandemie seine Gültigkeit verloren.

Es gab mal eine Priorisierung

Es macht auch Sinn, sich nicht all zu viele Gedanken darüber zu machen, wer sich eventuell vorgedrängelt hat. Natürlich muss die Impfpriorisierung im Blick bleiben, und ungerecht war sie von Anfang an. Aber mittlerweile sind wir an einem Punkt angelangt, ab dem verimpft werden sollte, was reinkommt. Einen psychologisch heilsamen Effekt hätte dies auch. Wo es beim Vordrängeln Korruption gab, Amtsmissbrauch und Vetternwirtschaft, bleibt es natürlich Aufgabe der Behörden und der Öffentlichkeit, dem nachzugehen. Aber ich glaube, zuweilen vergessen wir, dass zehn Prozent der Bevölkerung in Deutschland eine Behinderung haben, und nicht jede ist sichtbar. Wenn wir uns also darüber echauffieren, dass die oder der plötzlich vom Impfen kommt, wissen wir doch oft nicht, ob es eine Priorisierung wegen Diabetes, Asthma oder einer anderen Erkrankung gab. Wir sollten uns vielmehr darüber freuen, dass dem Virus einmal mehr ein Schnippchen geschlagen wird.

Bleibt die Frage, wie mit jenen verfahren werden soll, die sich nicht impfen lassen wollen. Wie steht es mit deren Rechten? Ein Recht auf Dummheit gibt es immerhin auch. Aber heute ist mir nicht danach. Lassen wir heute mal wirklich Fünfe gerade sein und bemühen uns nicht, auf alles eine Antwort zu finden. Morgen ist auch noch ein Tag. Und Dummheit macht auch manchmal müde.

Video: Corona-Impfung ohne Impfpass - geht das?