Kommentar: Keine Solidarität mit Russland: Die falsche Entscheidung

Die Entscheidung nährt den Verdacht, russische Opfer seien uns weniger nah als französische oder israelische, meint Andreas Abel.

Nach den Terroranschlägen in Paris, Brüssel, London und Istanbul wurde das Brandenburger Tor in den Nationalfarben der jeweils betroffenen Nation beleuchtet. Ein Zeichen der Trauer, der Solidarität, der Mitmenschlichkeit. Nach dem Anschlag in St. Petersburg hat sich der Berliner Senat gegen diese Geste entschieden. Eine falsche Entscheidung.

Das Anstrahlen des Berliner Wahrzeichens solle Angriffen in Partnerstädten und Orten "mit besonderem Bezug zu Berlin" vorbehalten bleiben, so lautet die Begründung. Dieser Versuch, eine gerechte Auswahl zu treffen ist verständlich, wirkt aber hilflos. Die Frage, welcher Opfer mit einem beleuchteten Tor gedacht werden soll und welcher nicht, wurde bereits nach dem Attentat in Nizza diskutiert.

Die Debatte endete nicht mit einem Konsens, wie auch? Die große Mehrheit der Stadtgesellschaft wird nicht wollen, dass das Tor andauernd für Terroropfer irgendwo auf der Welt angestrahlt wird. Welche Auswahl aber ist akzeptabel? Jede Entscheidung für eine Beleuchtung des Tores wirke inzwischen als Entscheidung gegen eine andere, sagte Kultursenator Klaus Lederer. Er hat recht.

Nun sorgt die Entscheidung des Senats für Streit und für den Verdacht, russische Opfer seien uns weniger nah als französische oder israelische. Das ist die schlechteste Lösung, sie wird den Terroropfern und den Menschen, die um sie trauern, am wenigsten gerecht. Und um den Senat beim Wort zu nehmen: Hat eine Großstadt in Russland nicht einen beson...

Lesen Sie hier weiter!

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen