Kommentar: Wir müssen versuchen, uns in Erdogan hineinzudenken

Die spinnen, die Türken! Schlimm genug, dass ihre Geheimdienste hiesige Kritiker ihres Präsidenten ausspionieren und illegal schwarze Listen erstellen. Sie übergeben die auch noch rotzfrech unserem Geheimdienst! Als ob wir auch noch helfen würden, türkische Oppositionelle einzukassieren. Ein so unverfrorenes Amtshilfeersuchen kann ja nur „reine Provokation“ gewesen sein!

Das ist die aktuelle Lesart der Spitzelaffäre, die gerade das deutsch-türkische Beziehungsthermometer auf neue Vereisungsrekorde sacken ließ.

Türkei offenbar von Boshaftigkeit überzeugt

Es ist die Lesart, die der Bundesinnenminister mit der Opposition teilt – aber auch die Lesart, die den simpelsten Reflexen folgt: So viel „Naivität“, was als alternative Erklärung gehandelt wird, will man dem verschlagenen Türken nicht zutrauen. Berlin, es ist windig, aber das Feindbild sitzt.

Dabei lässt sich die Affäre auch ganz anders lesen: Wenn die türkischen Dienste ohne jedes Unrechtsbewusstsein die deutschen „Kollegen“ ins Vertrauen ziehen, sind sie offensichtlich wirklich überzeugt, dass die Menschen auf der Liste Böses wollen.

Erdogan gelten demokratische Ideale nicht viel

Es lohnt sich, dem Gedanken etwas nachzugehen.

Zwar gibt die deutsche Regierung gern vor, allein aufgrund demokratischer Ideale zu handeln. Tatsächlich kennt sie aber die deutschen Interessen genau, und verfolgt sie auch. Oft genug fallen Rhetorik und Strategie auseinander, weshalb die naheliegendste Erklärung all der Erdogan-Raserei gegen die Gülen-Bewegung bislang war: Da beschwört einer einen inneren Gegner, um radikal gegen Kritiker vorgehen zu können.

Der türkischen Regierung wiederum gelten demokratische Ideale nicht viel, wie man am brutalen Vorgehen gegen Kritiker, Opposition und Journalisten erkennt. Gerade unter Erdogans Anhängern gibt es viele, denen das nationale Interesse ohnehin wichtiger ist.

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