Kommentar: Markus Söder träumt noch immer vom Kanzleramt

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Bayerns Ministerpräsident macht auch Wahlkampf. Aber nicht unbedingt für Armin Laschet und die CDU. Denn Markus Söder verfolgt mal wieder andere Pläne.

Markus Söder (links) und Armin Laschet nach einer Unionssitzung. (Bild: Odd Andersen/Pool via REUTERS)
Markus Söder (links) und Armin Laschet nach einer Unionssitzung. (Bild: Odd Andersen/Pool via REUTERS)

Ein Kommentar von Jan Rübel

Manche kommen von ihrem Egotrip einfach nicht runter. Für Markus Söder muss es schwer gewesen sein, am vergangenen Samstag im Berliner Tempodrom zu sitzen und dem Herrn auf der Bühne zuzuschauen, der gerade mit seiner Rede die heiße Phase des Bundestagswahlkampf einläutete. Dabei ist Armin Laschet auch sein offizieller Kandidat für das Amt des Bundeskanzlers. Das Problem: Davon träumt Söder ebenfalls. Er kann nicht damit aufhören und dann sieht er da oben Laschet und…

…schaut während dessen Rede stur aufs Handy. Die Botschaft ist unmissverständlich: Ich habe Besseres zu tun.

Man kann diese Reaktion bockig nennen. Söders Ehrgeiz soll schon zu Schulzeiten Legende gewesen sein. Persönlichem Weiterkommen hat er so viel untergeordnet, wie die meisten Menschen für sich selbst nie dran dächten. Und er war nah dran. Hatte es versucht.

Die Liebe gilt anderem

Seitdem bemüht sich Söder, nicht als beleidigte Leberwurst dazustehen, aber für eine grimmige Wollwurst reicht es allemal. Beim nicht gerade erfolgreichen Wahlkampftaumel Laschets schwingt Söder in seinen Worten stets den unausgesprochenen Satz mit: Seht her, das wäre mit mir nicht passiert.

Daher mahnt er nun kontinuierlich an, die Union müsse im Wahlkampf nun aufwachen, durchstarten, kämpfen oder wahlweise alles drei gleichzeitig. Der inzwischen aufgewachte Laschet kämpft mittlerweile, auch wenn er nicht unbedingt durchstartet – aber kann nur fassungslos auf seinen Ex-Mitbewerber schauen, wie der stets das Gleiche anmahnt. Größtmögliche Distanz nennt man sowas.

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Mit dem drohenden Misserfolg will sich Söder nicht gemein machen. Und warum sollte er, persönlich gedacht? Wenn Laschet die Wahl gewinnt, was natürlich möglich ist, schleppt sich der Aachener ins Kanzleramt und richtet sich dort erstmal ein. Auch Angela Merkel zog dort 2005 eher angeschlagen ein und baute es flugs in eine Festung um. Ein Sieg Laschets würde also Söders Kanzlerträume zerstäuben. Das will er bestimmt nicht. Daher müssen Söders Aktionen als tatsächliche Bewerbung in eigener Sache gedeutet werden – dass er auf eine Niederlage der Union spekuliert und ein bisschen nachhilft; Laschet wäre dann weg, und in vier Jahren würden die Karten neu gemischt, mit dabei Söder, der bereits jetzt ein, zwei Joker bunkert.

Ich, ich, ich

Parteidienlich ist solches Verhalten nicht. Die CSU schmiert bei den Umfragen zur Bundestagswahl in Bayern ab. Ihre Granden beeilen sich zwar zu erklären, dies liege am Bundestrend. Aber es wird "CSU" auf dem Stimmzettel stehen, und jede Stimme, die nicht an die Christsozialen geht, geht auch nicht an Söder. Und die CSU-Kandidaten für den Bundestag, die nun um ihren Einzug bangen müssen, sollten Söder zurufen: Er möge nun endlich aufwachen, durchstarten und kämpfen – aber eben für die Union und nicht nur für sich selbst.

Ob Söder das kann, hat er noch nicht gezeigt. 

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