Kommentar: Eine nachträgliche Ohrfeige für Berliner Behördengänger

Schlange stehen im Berliner Bürgeramt

Mal ist es die Sterbeurkunde, auf die Hinterbliebene in Spandau sieben Wochen warten. Mal sind es Heiratswillige in Reinickendorf, die von ihrer Vorfreude auf einen Hochzeitstermin viele Monate länger als gewünscht zehren dürfen. Aktuell sorgen frisch gebackene Eltern in Mitte für Schlagzeilen. Vor dem Standesamt reihen sie sich für eine Geburtsurkunde zu nachtschlafender Zeit in die Schlange ein.

Austauschbar sind in Berlin offenbar nur der konkrete Anlass des Ämterbesuchs und der Name des überlasteten Bezirks: Behördenkontakt ist für die Bürger der Hauptstadt bestenfalls Glückssache, noch häufiger schlicht ein großes Ärgernis. Angesichts dieses bundesweit mal mit Kopfschütteln, mal mit Ironie bedachten Offenbarungseids von Berlins Verwaltung scheint es nur auf den ersten Blick erfreulich, dass der Senat mit der sogenannten Notfallbestellung eine schnelle Lösung hervorgezaubert hat. Bei genauem Hinsehen stellt sich die Frage, wieso diese Möglichkeit nicht längst genutzt wurde.

Sie appelliere an die Bezirke, auch weiterhin die Möglichkeit der Notfallbestellung zu nutzen, hatte Sabine Smentek, Staatssekretärin in der Senatsinnenverwaltung, schon vor einem Monat gesagt. Wieso "auch weiterhin"? Wo doch laut dem Sprecher der Innenverwaltung Martin Pallgen dieses Instrument zwar keineswegs neu erfunden, von den Bezirken aber bisher ignoriert wurde. Und das offenbar in fernerer Vergangenheit ebenso wie seit der Erklärung Smenteks Mitte Juni. Für die betroffenen Behördengänger ist das...

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