Kommentar "Süddeutsche Zeitung": Türkei-Referendum

Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt zum Ausgang des Referendums in der Türkei:

"Recep Tayyip Erdo?an hat einen Sieg errungen, sein Volk hat ihm so viel Macht anvertraut wie keinem Türken seit Kemal Atatürk (...). Aber Erdo?an ist ein zerfledderter Sieger, ein Sultan in zerrissenen Kleidern. Denn jeder zweite Türke verweigerte sich seinem postkemalistischen Projekt, seinem konservativ-autoritären Staatsumbau. Und das trotz einer Wahlkampagne, die eher ein Feldzug war, geprägt von Furcht und Schrecken, und angeführt vom Staatspräsidenten persönlich, der sich nicht darum scherte, dass die noch geltende Verfassung von ihm eigentlich Neutralität verlangt. So muss dieser Sieg auch für Erdo?an bitter schmecken. Denn der Langzeitherrscher kann sich von nun an nicht mehr absolut sicher sein, dass er die absolute Macht, die ihm die neue Verfassung verleihen soll, je wirklich erhält. Die Verfassungsänderung tritt erst nach den Parlaments- und Präsidentenwahlen im November 2019 in Kraft. Dass Erdo?an diese gewinnt, ist nach dem Ergebnis vom Sonntag keineswegs gewiss."

(folgt drei)

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