Kommentar: Sebastian Kurz – das Antivorbild für die Kevin Kühnerts von heute

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Ex-Kanzler Sebastian Kurz beim Rücktritt von seinen Ämtern (Bild: REUTERS/Lisi Niesner)
Ex-Kanzler Sebastian Kurz beim Rücktritt von seinen Ämtern (Bild: REUTERS/Lisi Niesner)

Österreichs Polityoungster Nummer Eins wird nach hinten durchgereicht – vorerst. Seine letzten Jahre in der Politik sollten anderen eine Lehre sein. Sebastian Kurz oder: Wie man es besser nicht macht.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Zwischen den Abgängen von Sebastian Kurz und Angela Merkel gibt es nur eine Gemeinsamkeit. Sie fanden am gleichen Tag statt. Da der symbolische der Kanzlerin mit dem Zapfenstreich, mit „Fröhlichkeit im Herzen“, wie sie sagt – und dort ein trotzig-weinerliches Statement aus dem Off, seine Begeisterung sei weniger geworden, und überhaupt habe es eine Jagd auf ihn gegeben. Und: So manches sei in dieser Zeit vernachlässigt worden - "unter anderem die eigene Familie".

Mal sehen, wie lange die selbst verordnete Karenzzeit beim Politsüchtigen Kurz andauern wird. Gut möglich, dass er im kommenden Jahr über ein Bundesland sein Comeback vorbereitet, einen Karriereaufbauzwischenpunkt als Landeshauptmann plant. Denn Kurz kann nicht anders. Er hat nichts anderes, nicht einmal einen Studienabschluss.

Seinen wichtigsten Joker hat er jedenfalls ausgespielt. Immer konnte Kurz damit kokettieren, „der junge“ zu sein. Der das angeblich Verbrauchte aufmischt, neue Akzente setzt, dynamisch ist. Dies war alles schlichtes Marketing, das ihn heute dastehen lässt wie den Kaiser mit seinen neuen Kleidern, die keine sind. Jetzt steht er alt da. Seine schmutzigen Manöver, mit denen er hinter der Bühne agierend nach oben kam, waren die der alten Männer: Intrigen und Manipulationen.

Gute Politik ist nie allein Marketing

Dass jedenfalls Jungsein in der Politik an sich ein Wert sei, hat sich nicht zuletzt mit Kurz als Trugglaube erwiesen. Er ist nicht der erste: In Italien schwang sich vor nicht langer Zeit ein Matteo Renzi auf und schaffte es ins Amt des Premierministers; dann stürzte er über seine eigene Hybris und sein Ego – denn genau wie bei Kurz mangelte es ihm an inhaltlicher Substanz. Das Programm war Renzi selbst. Zwar hat der Florentiner durch sein Vorgehen nicht wie Kurz das Interesse der Staatsanwaltschaft geweckt, aber er hat wie der Österreicher seine eigene Partei skelettiert. Denn Inhaltslosigkeit ist in der Politik eine ansteckende Krankheit.

Was hinter der Etikette steckt

All dies sollten sich jener Politiker und die anderen seiner Generation genau anschauen, die heute in den Startlöchern für morgen sind: Als Kurz und Merkel Winkewinke machten, sickerte die Nachricht durch, dass Kevin Kühnert Generalsekretär der SPD werden soll. Auch Kühnert ist jung, mit 32 Jahren jünger als Kurz. Bekannt wurde er, indem er laut war. Doch seit der Ex-Vorsitzende der Jusos in den Bundestag eingezogen ist, hört man weniger von ihm, und dieses ist dann bedächtiger als sonst. Sowas ist durchaus zu begrüßen. Jungsein heißt zwar auch, zuweilen krawallig sein. Und Kühnert durchläuft als Parlamentarier nun keinen Alterungsprozess im Schnelldurchgang. Aber nun geht es um Substanz. Um genau das, was Angela Merkel in ihrer Zeit als Politikerin massenhaft ansammelte. Als sie übrigens Bundestagsabgeordnete wurde, war Merkel erst 36 Jahre alt. Und exponiert „jung“ gab sie sich nicht. Im Gegenteil: Damals versuchte man sie in der alten CDU mit ihrem Alter zu diskreditieren und etikettierte sie als „Kohls Mädchen“. Kühnert kann zumindest wissen, wen er sich zum Vorbild nimmt.

VIDEO: Österreichs Ex-Kanzler Kurz nimmt "Abschied aus der Politik"

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