Kommentar: Simply Red gibt den Takt vor – Deutschland sollte den Klimanotstand ausrufen

Mick Hucknall, Sänger von Simply Red, in Action (Bild: REUTERS/Eliseo Fernandez (CHILE)

Mick Hucknall erhält den Deutschen Nachhaltigkeitspreis – für sein Engagement: Auf den Klimawandel gibt es nur eine Antwort. Notstand.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Manche halten sowas für übertrieben. Und schick sieht es auch aus, wenn man besorgt Alarm schreit und danach erstmal einen Latte schlürft.

Dennoch tut es not einen Notstand auszurufen – wegen dem Klima. Mick Hucknall von der Band Simply Red zum Beispiel ist Teil der Initiative „Music Declares Emergency“ und erklärt: „Diese Erde ist das einzige Zuhause, das wir haben.“ Und: „Wir alle müssen nachdenken, was wir für einen Wandel tun können, besonders Regierungen, Industrieführer und alle mit Einfluss, um eine bessere Zukunft für unsere Kinder zu sichern.“

Das ist leicht gesagt, hinreichend unscharf und dennoch schlicht wahr. Hucknall hat genug Geld in der Tasche, das reicht für mehrere Lattes, aber es ist völlig unbedeutend, ob er das Richtige sagt, weil er die Verantwortung dazu spürt oder weil sein Imageberater ihm das vorschlug.

Es geht ums Bewusstsein

Hucknall und seine Kollegen geben den Takt vor, indem sie von der britischen Regierung verlangen verloren gegangene Biodiversität woanders wieder wettzumachen. Das heißt: Wo Kohlenstoffdioxid vom Menschen verschuldet wird, soll eingespart oder an anderer Stelle ein Ausgleich geschaffen werden, zum Beispiel durch Renaturierung von Gebieten, in denen dann Pflanzen Kohlenstoff binden und Sauerstoff freigeben.

Damit signalisiert der Musiker von Simply Red, dass er verstanden hat. Das klingt arrogant. Ist aber dennoch faktisch. Denn der Klimawandel erreicht ein Tempo und ein Ausmaß zum Fürchten. Und die Beweislage für den menschlichen Anteil an diesem Klimawandel ist derart erdrückend, eben ausschließlich, dass ihr Leugnen eine Frage von mangelnder Intelligenz ist.

Dass Hucknall dafür den Deutschen Nachhaltigkeitspreis erhält, liegt zum einen daran, dass sich die Preisinitiatoren durch Prominente Glanz und Öffentlichkeit wünschen. Und zum anderen, dass die Forderung nach einem Klimanotstand kein schickes Geraune ist, sondern Ausdruck von Dringlichkeit.

So haben einige Kommunen den so genannten Klimanotstand ausgerufen. Klar, es sind Städte und kaum Länder oder Staaten, weil es sie nichts kostet. Städte haben keine Gesetzgebungskompetenz, also weniger Verantwortung zu tragen. Da ist es leicht, mehr Klimaschutz zu fordern. Es bleibt dennoch richtig.

Was vor Ort getan werden kann

In Deutschland haben 64 Kommunen diesen symbolischen Klimanotstand ausgerufen, rechtlich bindend ist er ja nicht. Als erstes trat Konstanz auf den Plan, Großstädte folgten, wie zuletzt Leipzig. Letztlich haben sich die jeweiligen Stadträte der Forderung jener 11.000 Wissenschaftler angeschlossen, die selbst den Klimanotstand ausgerufen haben.

Und so liegt es an den Kommunen selbst im Rahmen ihrer Kompetenz ans Klima zu denken: Ist diese Bauweise klimaschonend? Kann die Verwaltung ein anderes Papier verwenden, kann sie ganz darauf verzichten? Wie könnte der Verkehr auf nicht verpestende Fortbewegungsmittel umgelagert werden? In der symbolischen Erklärung eines Klimanotstands liegt der Keim von Eigeninitiative. Daher ist sie so wichtig. Und sollte bald von Bundestag und Bundesregierung übernommen werden.