Kommentar: Souveräner Protest gegen Verkaufsverbot in Rodenkirchen

Die Händler mussten draußen bleiben, während in ihrem Geschäft Kunst ausgestellt war.

Hausverbot im eigenen Ladenlokal? Es ist traurig, aber wahr und jedenfalls mehr als kurios, dass sich die Geschäftsleute gezwungen sahen, ihre Räume am Sonntag bei der Eröffnung der Kunstmeile nicht zu betreten. Drinnen tummelten sich die Künstler und Kunstinteressierte sowie ein Wachmann.

Die Ladenbesitzer blieben brav draußen und servierten Sekt und Häppchen. Das ist souverän, im Gegensatz zur verkrampften Haltung der Verwaltung, die gemäß Ratsbeschluss und wegen einer Klagedrohung von Verdi unbedingt den Verkauf von T-Shirts oder ein paar Blumen verhindern wollte.

Hätten Politik und Verwaltung nicht ein tolerantes Auge zudrücken und eine Ausnahme beschließen können? Schließlich wurden die Geschäftsleute sehr kurzfristig vom Sonntagsverkaufsverbot überrascht.

Monatelang hatten sie sich vorbereitet, Geld ausgegeben für die Teilnahme an der Kunstaktion und für Werbematerial, um Kunden in die Geschäfte zu locken, was aus Sicht der Händler völlig legitim ist. Und dann bricht – Ätsch-Bätsch – die Aussicht auf Umsatz in sich zusammen. Sozialverträglich ist anders.

Die kleinen Einzelhändler in den Vororten haben es nicht leicht, wirtschaftlich gut über die Runden zu kommen, sie stehen unter Druck. Es ist schade, dass sie in ihrem Engagement blockiert werden anstatt sie zu fördern.

Besucher solidarisieren sich mit Ausstellern

Diese 15. Rodenkirchener Kunstmeile war wohl die außergewöhnlichste, die seit ihrem Bestehen stattgefunden hat: Sie war „wahnsinnig gut besucht“, sagt Wolfgang Behrendt von der veranstaltenden AG Rodenkirchen, sie war „hoch emotional“, wie die Künstlerin Claudia Franzen findet – und eine Enttäuschung, wie Ladenbesitzerin Angelika Zalbertus kritisiert.

Kurz vor der Eröffnung war den Geschäftsleuten mitgeteilt worden, dass sie sich an diesem Sonntag in ihren eigenen Ladenlokalen nicht aufhalten dürfen, um ja nicht in Versuchung zu geraten, das eine oder andere Stück aus dem Sortiment zu verkaufen. So streng war die Auflage der Stadt, so rigoros wurde das jüngst beschlossene sonntägliche Verkaufsverbot durchgesetzt. Statt der Geschäftsinhaber passten jeweils Wachmänner auf die Besucher auf, die sich die ausgestellten Kunstwerke anschauten – und sich irgendwie unter Generalverdacht fühlten. Bezahlt wurden die Kontrolleure aus dem Topf der AG.

Charmante Protestaktion

Die Geschäftsleute machten es sich derweil auf einem Liegestuhl vor dem Ladenlokal bequem. Es war eine Protestaktion und ein charmant trotziges Zeichen, dass die Einzelhändler nicht klein beigeben und die Kunstmeile einfach so ausfallen lassen wollen. Seit Jahren versucht ein Kreis von Geschäftsleuten, das Zentrum von Rodenkirchen zu beleben und Besucher anzulocken. Dazu gehören Aktionen wie Kunstmeile und Winterzauber und eben auch die Öffnung der Geschäfte am Sonntag, die nun allerdings verboten ist.

„Das Signal war richtig“, sagt Wolfgang Behrendt im Nachhinein. Er freut sich über die große Solidarität der Bürger, die trotz oder gerade wegen der Einschränkungen die Kunstmeile in großer Zahl besuchten. Sie halten offenbar wenig von der verordneten Sonntagsruhe, auch das wurde deutlich. Viele kamen mit Kind und Kegel, schließlich haben auch zahlreiche Kinder ihre Kunstwerke ausgestellt.

Fünf von insgesamt 20 Geschäftsinhabern haben kurzfristig die Beteiligung an der eingeschränkten Meile abgesagt. Die Verärgerung über das ganze Hin und Her sei zu groß gewesen, sagt etwa Angelika Zalbertus.

Einen Wachmann ins Geschäft zu stellen, fand sie abwegig. Andere Ladenbesitzer wollten sich auf Nachfrage nicht äußern. Einige machen allerdings der AG Rodenkirchen einen Vorwurf: Der Vorstand hätte sich stärker einsetzen müssen für eine Ausnahmegenehmigung, hieß es.

Zukunft der Kunstmeile unklar

Dafür habe es wegen der Rechtsprechung keine Chance gegeben, hält Wolfgang Behrendt dagegen. Das habe ihm auch Oberbürgermeisterin Henriette Reker so gesagt, die sich ihrerseits „entsetzt“ gezeigt habe über die seltsamen Auswirkungen des sonntäglichen Verkaufsverbots. Wie und ob die Kunstmeile im nächsten Jahr durchgeführt wird, ist noch nicht geklärt. Möglicherweise soll die Vernissage auf einen Samstag oder Freitagabend verlegt werden. Das müsse nun bei Gesprächen erörtert werden, sagt Behrendt. Das Herbstfest und der Winterzauber auf dem Maternusplatz finden jedenfalls ohne Sonntagsöffnung statt. In sieben anderen Stadtteilen hat der Rat das Verbot zu verkaufsoffenen Sonntagen zurück genommen. In Rodenkirchen aber nicht....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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