Kommentar: Steuerfreiheit für Krankenschwestern!

Tobias Huch
Journalist und Englandkorrespondent
Ärzte und Pfleger stehen im Kampf gegen das Virus an der vordersten Front (Bild: Reuters/Andreas Gebert)

Wegen der Corona-Krise stehen akut viele kleine und mittlere Betriebe vor der Pleite. Die Bundesregierung und die Landesregierungen haben daher umfangreiche Rettungspakete geschnürt, um eine drohende Insolvenzwelle mit allen Mitteln zu verhindern. Binnen kürzester Zeit wurden Konditionen für Staatshilfen geschaffen, die vor wenigen Wochen noch völlig undenkbar gewesen wären; so ist es beispielsweise jetzt ein Leichtes, in Nordrhein-Westfalen 250.000 Euro mit einer Landesbürgschaft über 90 Prozent zu erhalten.

Natürlich unterstützen die Banken in Deutschland diese Maßnahmen liebend gerne: Einfacher kann man die eigenen Bilanzen nicht aufhübschen. Handwerker, Fitnessstudios, Restaurants, Bäcker, Schausteller, Caterer – ihnen allen greift Vater Staat jetzt unter die Arme. Es sind Maßnahmen, die dringend notwendig und für den Augenblick alternativlos sind.

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Die Situation der Wirtschaft nicht aus den Augen zu verlieren ist das eine, doch mindestens ebenso wichtig ist die Wertschätzung für die menschlichen Ressourcen in der Krise. In diesen Tagen beeilt sich daher so gut wie jeder Politiker, nicht mit Lob und Anerkennung zu geizen für jene Menschen, die ganz vorne an der Corona-Front kämpfen: Krankenschwestern und Krankenpfleger, Rettungssanitäterinnen und -sanitäter - und natürlich Ärztinnen und Ärzte.

Die Helden dieser Tage

Sie sind die Helden dieser Tage, und sie verdienen nicht nur unseren Respekt, sondern unsere Hochachtung. Tagtäglich setzen sie ihre eigene Gesundheit aufs Spiel – nicht zuletzt deshalb, weil ihnen leider oft die notwendige Schutzausrüstung fehlt. Vor allem im schwer betroffenen Landkreis Heinsberg wird der medizinische und pflegerische Einsatz so oft zum persönlichen Risiko.

In den Lungenkliniken, auf den Intensivstationen und in speziell eingerichteten Corona-Stationen mögen noch genügend Atemschutzmasken und sonstige Ausrüstung vorhanden sein, doch man vergisst schnell, dass Corona auch in den anderen Abteilungen aller Spitäler immer wieder auftritt, und dass gerade unser Pflegepersonal über Tage - schlimmstenfalls 24 Stunden am Stück - ungeschützten Kontakt mit Infizierten hat, bevor eine Corona-Infektion überhaupt entdeckt wird. Es steht außer Frage: In diesen Tagen diesen Job zu machen, bedeutet höchstes Risiko.

Wir alle sollten uns vergegenwärtigen: Ohne diese Menschen käme unser System zu erliegen. Ohne diese Menschen hätten wir längst Verhältnisse wie in China – wo als Krankenhäuser getarnte Sterbestationen aus dem Boden gestampft wurden oder alte hilflose Menschen über Wochen in ihren Wohnungen verhungerten.

Doch dann müssen wir uns auch dies vergegenwärtigen: Die Entlohnung jener, denen wir momentan die Aufrechterhaltung des Gesundheitssystems und damit unserer humanen Gesellschaft verdanken, steht in keinem Verhältnis zu dem, was sie leisten und für sich persönlich in Kauf nehmen. Eine durchschnittliche Krankenschwester verdient 2370 Euro brutto, was am Ende des Monats bestenfalls 1800 Euro netto bedeutet. Auszubildende, die aktuell für die Arbeit auf den Krankenstationen zur Entlastung herangezogen werden, kommen auf nicht einmal die Hälfte dieser Summe. Mit Respekt und Hochachtung hat das nichts zu tun.

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Vor allem Krankenschwestern und -pfleger, Sanitäterinnen und Sanitäter bezahlen einen hohen Preis und machen einen Job, den die meisten Bürger niemals bereit wären zu tun. Sie sind die Stützen unseres Staates.

Der schnellste Weg: Steuerbefreiung

Über eine angemessene künftige Honorierung wird spätestens nach der Krise zu reden sein, dies ist nicht die Zeit für Tarifverhandlungen. Und doch kann der Staat sofort etwas unternehmen, um ihre Lage zu verbessern und ihnen zumindest eine materielle Teilanerkennung ihres Einsatzes zu verschaffen: Das mindeste, was wir diesen mutigen Menschen als Zeichen unserer Wertschätzung gewähren können, wäre die Befreiung ihrer Gehälter von der Steuerlast.

Im Prinzip verbietet es der Anstand, dass diese elementaren Leistungsträger und Retter in Zeiten größter Not auch noch Abgaben an den Staat leisten. In der gegenwärtigen Phase ist ihre Tätigkeit eben kein normaler Beruf, sondern ein Ehrenamt – und zwar eines von höchster Priorität und Bedeutsamkeit. Ihr Gehalt ist keine Entlohnung, es ist eine Aufwandsentschädigung. Und die Entschädigung für ein Ehrenamt darf nicht besteuert werden!

Hier unbürokratische Zeichen zu setzen, ist in der gegenwärtigen Lage ebenso ein Gebot der Stunde wie Wirtschaftshilfen für Unternehmen. Und, wie gesagt: Nach der Krise sollten wir darüber diskutieren, wie wir die Löhne und Gehälter dieser Menschen endlich auf ein Niveau bringen, das ihrem wahren Dienst für die Gesellschaft angemessen Rechnung trägt.

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