Kommentar zum Türkei-Referendum: Erdogan, der Herrscher über die Zahlen

Der Widerstand gegen seine Machtergreifung wird wenig ausrichten.

Es gab in der Türkei keine demokratische Abstimmung über die von Erdogan vorgeschriebene Verfassungsänderung. Mehr als 150 Medien wurden vorher geschlossen, Tausende kamen ins Gefängnis. Begründung: Sie sind gegen Erdogan. Das sind alles Menschen, denen die Möglichkeit nicht nur zur Wahl, sondern auch zur Verbreitung ihrer Argumente genommen worden war. Wie es an den Wahlurnen zugegangen ist, wie mit den Wahlurnen umgegangen wurde, wissen wir nicht. Es gibt derzeit keinen Grund, den von der Regierung Erdogan verbreiteten Zahlen zu trauen. Andere Zahlen, andere Quellen gibt es derzeit nicht. Erdogan ist Herr der Zahlen. An ihnen wird sich, solange er das Sagen hat, nichts ändern.

Türken werden zu Protestwählern

Der Widerstand gegen seine Machtergreifung wird wenig ausrichten, dafür hat er schon im Vorfeld gesorgt. Der gescheiterte Putsch vom vergangenen Juli hat Erdogan zum Alleinherrscher gemacht. Wir wissen nicht, wie viel Menschen in der Türkei und türkische Staatsbürger außerhalb der Türkei das gut finden und wie viel entsetzt sind. Über sechzig Prozent der in Deutschland lebenden Türken sollen ihm ihre Stimme gegeben haben. Falsch. Von den fünfzig Prozent der in Deutschland lebenden Türken, die überhaupt ihr Votum abgegeben haben, haben über sechzig Prozent für Erdogans Verfassungsänderung gestimmt. Damit war zu rechnen, nachdem Erdogan vor mehr als einer Woche erklärt hatte, die Türken in Europa werden Europa zeigen, dass sie auf Seiten Erdogans stehen. Wir dürfen uns nicht wundern, wenn wir hier lebenden und arbeitenden Türken – und ja nicht nur ihnen –  das Leben schwer machen, dass sie – wo sie denn einmal wählen können – zu Protestwählern werden.

Sonntag nächste Entscheidung

Bei dem Referendum ging es nicht nur um die Veränderung...Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung

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