Kommentar "Tagesspiegel": Organspende

Der Berliner "Tagesspiegel" kommentiert die Organspende-Debatte:

"Wer mit Leichen umgehe, heißt es im Gesetz, habe 'die gebotene Ehrfurcht vor dem toten Menschen zu wahren'. Die Störung der Totenruhe, was der Rechtsbegriff ist für Leichen- und Grabschändungen, kann mit Gefängnis bis zu drei Jahren bestraft werden. Das 'postmortale Persönlichkeitsrecht' soll verhindern, dass die Würde des Menschen mit dessen Tod endet. Jeder kann einer Organentnahme widersprechen, entgegnen die Befürworter der Widerspruchslösung. Aber umfasst die Selbstbestimmung nicht das Recht, existenzielle Fragen, auf die es weder einfache noch abschließende Antworten gibt, in der Schwebe zu halten? Ein Staat, der sich anmaßt, hier Klarheit und Entschlossenheit zu verlangen, könnte leicht den Vorwurf nähren, übergriffig zu sein."

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