Kommentar: Werden die jungen Wähler wieder übergangen?

·Reporter
·Lesedauer: 3 Min.
So sieht der Bundestag nicht gerade aus: Szene eines Kinder- und Jugendparlaments (Bild: REUTERS/Heinz-Peter Bader)
So sieht der Bundestag nicht gerade aus: Szene eines Kinder- und Jugendparlaments (Bild: REUTERS/Heinz-Peter Bader)

Das stärkste Gewicht bei den Bundestagswahlen haben die Älteren. Entsprechend richtet sich die Politik mehr nach ihnen. Das ist fatal für die Zukunft. Aber es gibt einen Hoffnungsschimmer.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Die 18-jährige Jungwählerin von heute geht nicht andauernd zu Fridays for Future, sie verbrennt keine Protestklamotten vor Primark und isst schon mal einen Burger. Weil die Kohle manchmal klemmt, auch bei einer Fastfoodkette. Aber mehr Bewusstsein für die Katastrophen der Zukunft haben sie schon, die Jungen – mehr als die Älteren.

Sie ahnen, dass der Klimawandel ihnen immer heftiger vor die Füße fallen wird. Dass die Natur den Raubbau nicht klaglos durchgehen lässt. Dass die Staatsschulden an zu schulterndem Gewicht zunehmen und sich die Aussicht auf die eigene Rente im Gegenzug schwärzt.

Klar, nicht wenige heutige Erwachsene und ihre Kinder leben ein Stück weit von Vererbtem. Aber ansonsten ist die Zukunft nicht gerade rosig.

Lesen Sie auch: Grüne und FDP haben bereits erste Vorgespräche geführt

Das vergegenwärtigen sich Ältere weniger als Jüngere – sie müssen ja auch weniger an Zeche zahlen. Nur ist Leben auf Pump keine ratsame Angelegenheit. Und leider haben in der deutschen Demokratie weniger jene das Sagen, die am Ende nach der Rechnung fragen müssen.

Eine Frage der Priorisierung

Bei dieser Bundestagswahl hatten die Wähler unter 30 Jahren gerade mal einen Anteil von neun Prozent. Die über 60-Jährigen dagegen kommen auf 38 Prozent. Und weil Parteien gewählt werden wollen, das ist ganz normal, schauen sie auf diese große Wählergruppe: Die will eine sichere Rente – jetzt. Sie will keine großen Einschnitte durch Klimaschutz – jetzt. Und am liebsten hätte sie ein gewisses „Weiter so“, weil man bis jetzt damit nicht schlecht gefahren ist.

Leider ändern sich die Zeiten und die Herausforderungen.

Wenn nun beim Klimaschutz nicht unter Schmerzen geklotzt wird, fällt der Schaden umso größer aus. Wenn nun nicht über die Rente grundsätzlich nachgedacht wird, fällt der Generationenvertrag aus: Immer weniger Junge werden dann die Rente von immer mehr Alten zu stemmen haben. Schaue ich auf meine Rente, und sie ist noch ein paar Jahre hin, ist sie um einiges mauer als sie vor 20 Jahren gewesen wäre. Was wird dann ein Kolumnenschreiber machen, frage ich mich, wenn er erst in 40 Jahren seine Rente einstreicht – bleibt da überhaupt etwas übrig? Und wer schafft es, schon in jungen Jahren Erspartes an die Seite zu legen?

Wenn die Jungen das Sagen hätten

Die Resultate des Urnengangs von Jungwählern sind andere. Infratest dimap ermittelte, dass 23 Prozent der Menschen unter 25 Jahren die Grünen gewählt haben. Knapp dahinter wird die FDP mit 21 Prozent verbucht, dann die SPD mit 15. Die Union käme hingegen auf 10 Prozent; und Linke sowie AfD erhielten von den Erstwählern nur 8 beziehungsweise 7 Prozent.

Die einstigen Volksparteien punkteten entsprechend bei den Senioren. Bei den über 70-Jährigen erreichte die Union 38 Prozent, gefolgt von der SPD mit 35 Prozent.

Der Hoffnungsschimmer ist, dass Grüne und FDP recht wahrscheinlich mit in der nächsten Regierung sitzen werden. Die von den Erstwählern favorisierten Parteien können also mehr mitreden – andersrum wäre es ein katastrophales Signal, sollten sich Union und SPD doch noch auf eine Große Koalition einigen, die so groß eben nicht mehr ist.

Die junge Generation spricht bestimmt nicht mit einer Zunge. Aber auf sie gehört werden sollte allemal mehr.

Im Video: Umfrage nach der Wahl: 55% für Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.