Komplexe Themen im Schnelldurchlauf: Dunja Hayali diskutierte über Islamisten und Abtreibungen

Mila Lemke
Freie Autorin
Dunja Hayali (links) in der Charité Berlin: Medizinstudentinnen üben einen Schwangerschaftsabbruch an einer Papaya. ZDF/Tina Dauster

Zwei brisante Themen diskutierte Dunja Hayali am Mittwochabend in ihrer gleichnamigen ZDF-Talkshow: Wie reagiert die Bundesregierung auf ehemalige Anhänger des „Islamischen Staates” (IS), die zurück nach Deutschland wollen? Und: Ab wann dürfen Frauen abtreiben?

Klar war nach der Sendung vor allem eins: Die Schwäche des Formats. Die Einspielfilme sind zu kurz, um ein Thema tiefgründig zu beleuchten. Gleiches gilt für die anschließende Gesprächsrunde. Für mehr als einen kurzen Austausch der unterschiedlichen Standpunkte reicht die Zeit nicht. Wer sich jedoch nur einen Überblick über die jeweilige Debatte verschaffen und die Argumente von Befürwortern und Gegnern kennenlernen möchte, der ist bei Hayali gut aufgehoben.

Mutter kämpft um ihre IS-Tochter

Thema eins: Die Bundesregierung will unter bestimmten Umständen deutschen Kämpfern für den „Islamischen Staat” (IS) die Staatsbürgerschaft entziehen. Hintergrund: US-Präsident Trump hatte gefordert, Europa solle europäische IS-Angehörige, die im Norden Syriens inhaftiert sind, zurücknehmen. Die CDU/CSU-SPD-Koalition will Deutsche mit zwei Pässen, die für islamistische Terrororganisationen gekämpft haben, ausbürgern. Sollte das Gesetz kommen, gilt es jedoch nicht rückwirkend.

Bislang ungeklärt: Welche rechtliche Handhabe existiert, um zurückkehrende IS-Kämpfer hierzulande vor Gericht zu stellen? Wie kann Resozialisierung gelingen und gleichzeitig die Sicherheit der Bevölkerung gewährleistet werden?

Zu Gast war Josefin Steinhauer. Deren 31-jährige Tochter Karla und die drei Enkelkinder leben in einem Lager für IS-Angehörige in Nordsyrien. Mutter Steinhauer hofft, dass die Familie zurück nach Deutschland darf. Hinter Karla liegt eine typische IS-Karriere.

Von ihrer Mutter wurde sie christlich erzogen, verliebte sich mit 17 in einen Muslim, verhüllte und radikalisierte sich. 2015 verließ sie ihren Ehemann und reiste mit ihren Kindern nach Syrien. Einer von Karlas Söhne starb bei einem Bombenangriff. Ihre Mutter glaubt, dass sich Karla geändert hat.

Ihr in Deutschland zurück gebliebener Ehemann sagt: „Ich erwarte von der deutschen Regierung, dass sie zumindest die Kinder da rausholt.” Er habe Verständnis dafür, dass die Behörden keine Gefährder ins Land holt, aber seine Kinder seien unschuldig. Kein Verständnis hat Karlas Bruder. Er kritisiert seine Schwester scharf: Karla solle weggesperrt werden”, sagte er. ”

CSU-Politiker: Schutz der eigenen Bevölkerung hat Vorrang

Mitdiskutieren durfte auch der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Er erklärte die Sichtweise der Regierung. Die deutsche Staatsbürgerschaft entziehen könne man nur IS-Anhängern mit zwei Staatsbürgerschaften. „Das sind zehn bis 15 Prozent”, so Herrmann. Also nur ein kleiner Teil der Islamisten. Herrmann stellte klar: „Wir haben keinen Ehrgeiz, gefährliche Leute ins Land zu holen. Der Schutz der eigenen Bevölkerung hat Vorrang.”

Claudia Dantschke, Leiterin einer Beratungsstelle für Angehörige deutscher IS-Anhänger widersprach: „Die meisten Gefährder haben sich nicht in Syrien oder Afghanistan radikalisiert, sondern sind in Deutschland aufgewachsen und haben sich hier zu Islamisten entwickelt.” Von den Rückkehrern sei bislang niemand straffällig geworden. Demzufolge sei Deutschland auch für diese Menschen verantwortlich. Danschke betonte: „Wir haben in Deutschland bessere Deradikalisierungs-Initiativen, als Staaten im Nahen Osten.”

Abtreibungs-Workshop mit Papaya-Früchten

Thema zwei: Streit ums Abtreibungsrecht. Etwa 100.000 Frauen entscheiden sich in Deutschland jedes Jahr für eine Abtreibung. Der Streit um Schwangerschaftsabbrüche dauert schon Jahrzehnte, zurzeit verschärft er sich wieder. Die Positionen zwischen „Mein Bauch gehört mir!” und „Abtreibung ist Mord!” scheinen unversöhnlich. Gerade erst hat sich die Bundesregierung nach langer Diskussion darauf geeinigt, dass schwangere Frauen sich besser über Ärzte informieren können, die Abtreibungen vornehmen.

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Die grundsätzliche Frage aber bleibt: Sollten Abtreibungen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt unter bestimmten Bedingungen straffrei bleiben? Dunja Hayali besucht ein Medizinseminar, in dem Studentinnen am Beispiel einer Papaya beigebracht wird, wie ein Schwangerschaftsabbruch vorgenommen wird. Eine Gynäkologin erklärt: „Das Gemüse mit Fruchtfleisch und Kernen ähnelt einer Gebärmutter.” Im Film saugt eine Medizinstudentin das Fruchtfleisch mit einer Vakuumpumpe ab.

Berliner Erzbischof widerspricht dem Papst

Zu Wort kommt Laura Sophie Dornheim. Die junge Frau hat abgetrieben, später aber einen Sohn zur Welt gebracht. Sie berichtet, wie sehr sie der gesetzlich vorgeschriebene Ablauf der Abtreibungsberatung traumatisiert habe. „Ich habe mich gegängelt gefühlt.” Dornheim pocht auf ihr Selbstbestimmungsrecht und sagt: „In den ersten zwölf Wochen ist das Embryo ein Teil meines Körpers, der ohne mich nicht leben kann, und deshalb kann ich nicht von ungeborenem Leben sprechen.”

Erzbischof Heiner Koch aus Berlin sieht das naturgemäß anders. Ein Kind sei Leben vom Moment der Zeugung an. „Im Zweifel würde ich mich für das Leben des Kindes entscheiden.” Katholik Koch fordert: „Habt Ehrfurcht vor der Würde des ungeborenen Kindes.”

Als Moderatorin Dunja Hayali fragt, wie er zur Aussage vom Papst Franziskus stehe, nach der Abtreibung „Auftragsmord“ sei, stellte Koch klar: „Das Wort kann ich nicht akzeptieren!“ Außerdem fügt er hinzu: „Die Kirche hat in der Abtreibungsdebatte Fehler gemacht.“ Dann war die Sendung auch schon fast zu Ende.

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