Konzern auf Fusionskurs - Linde: Wie gefährlich ist Reitzle für die Münchner Angestellten?

Otto Zellmer

Der Chefkontrolleur will den Konzern mit einer Fusion zum Champion bei Industriegasen machen – mit Folgen für Münchner Mitarbeiter.

München - An seinem Traum will Wolfgang Reitzle (68) festhalten. Der Linde-Aufsichtsratschef plant, den weltweit größten Industriegase-Konzern zu schmieden und selbst oberster Kontrolleur zu werden. Zur Not will der Spitzenmanager die Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair gegen den Widerstand der Beschäftigten durchsetzen.

Der Zusammenschluss des Münchner Dax-Unternehmens mit den Amerikanern könnte – so will es Reitzle – noch vor der Linde-Hauptversammlung am 10. Mai unterzeichnet werden.

Der neue Mega-Konzern soll den Namen Linde behalten, künftig aber von Praxair-Chef Steve Angel geführt werden (AZ berichtete). Reitzle soll Boss des Aufsichtsrates werden. Die Holding wird in Dublin angesiedelt – das spart Steuern.

Somit wäre München mit dem aktuellen Firmensitz im Angerhof aus dem Rennen. Im Großraum der Stadt arbeiten Tausende Beschäftigte (siehe roter Kasten). Auf diese hätte eine Fusion negative Auswirkungen, warnen die Gewerkschaften IG Metall und IG Bergbau, Chemie, Energie (BCE).

Die Arbeitnehmer lehnen einen Zusammenschluss strikt ab. Auch Lindes Europäischer Betriebsrat befürchtet einen massiven Stellenabbau, denn die Synergien gingen zulasten der Linde-Beschäftigten – auch wenn das Unternehmen mit Betriebsrat und Gewerkschaften eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2021 für den Fall einer Fusion vereinbart hat.

Die Rede ist von "einem Kahlschlag, der den Markenkern von Linde zerstören wird".

"Technologische Spitzenfähigkeit" in München erhalten

Der Pullacher Betriebsratschef Michael Kipp sagt, es gehe nicht "um einen Zusammenschluss unter Gleichen, sondern um eine Übernahme von Linde durch den deutlich kleineren Wettbewerber Praxair".

Wegen Auflagen der Kartellbehörden müssten Linde und Praxair Anteile veräußern – das könnte Konkurrenten stärken, meinen Gewerkschaften und Analysten. Einige von ihnen verweisen auf gescheiterte Fusion DaimlerChrysler.
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