Konzert-Kritik: Gianna Nannini spielt sich in die Herzen der Berliner

Mit einer bombastischen Show begeisterte die italienische Rocksängerin alte und neue Fans im Admiralspalast.

Es ist nur ein kurzer Weg von meiner Wohnung in den Admiralspalast, aber an diesem Montagabend gleicht es einer Zeitreise in meine eigene Jugend. Damals, Mitte der Achtziger habe ich in einem kleinen katholischen Kaff mit meiner alleinerziehenden Mutter und meinem zwei Jahre jüngeren Bruder gelebt. Es war nicht immer einfach, aber im Wohnzimmer hatten wir eine Stereoanlage mit CD-Player, wahrscheinlich die erste im Dorf.

Und dort liefen diese neuen Silberlinge, die sich meine Mutter irgendwie beschafft hatte. Von "starken" Frauen, wie das damals hieß, als Stefanie Tücking die Videoclipshow "Formel Eins" moderierte, lange vor MTV. Rockröhren wie Laura Brannigan und Jennifer Rush, aber das war eher die Lederminifraktion. Dagegen war Gianna Nannini, die wilde Italienerin mit der rauchigen Rockstimme, immer der Wildfang. Und eben sie tritt an diesem Montagabend im Berliner Admiralspalast auf, drei Jahrzehnte nachdem sie unser Wohnzimmer dauerbeschallte.

Schon beim Einstiegssong reißt es alle von den Stühlen

Ich war damals nie wirklich begeistert, hatte erst kindlich-poppigere Idole, über die ich heute lieber schweige, rutschte dann schnell in die Grunge-Phase und fand alles diesseits von Nirvana höchst verdächtig, weil zu gutgelaunt. Meine Mutter aber blieb Gianna Nannini treu. Und auch wenn ich damals nie wirklich wahrgenommen hatte, wie sie so unerhört selbstbewusst aus der Stereoanlage bellte, voller Lebensfreude und ohne sich für irgendwas zu entschuldigen, erkenne ich sie an di...

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