Konzert: Roland Kaiser gibt in Berlin den anständigen Verführer

Roland Kaiser stellte in der Mercedes-Benz-Arena sein neues Album vor, sang seine größten Hits und verbeugte sich vor Udo Jürgens.

Es ist nämlich gar nicht so leicht, über Roland Kaiser zu schreiben, obwohl er wahrscheinlich einfach nur ein anständiger Mann ist, der über unanständige Dinge singt. Meistens geht es in seinen Liedern ja um Seitensprünge ("Warum hast du nicht nein gesagt?", "Manchmal möchte ich schon mit dir"), im weitesten Sinne also darum, "verbotene Träume" zu erleben ("Joana"). Seltsamerweise nervt er damit aber nicht. Sondern füllt, wie am Sonnabendabend, mal eben die Berliner Mercedes-Benz-Arena. Ich werde zu diesem Konzert geschickt, und ich habe ein bisschen Angst.

Natürlich hätte ich nein sagen können, aber Kaiser war ein Held meiner Kindheit. Ein Neben-Held zwar nur, ganz oben stand Gott, Karel Gott. Aber die Betonung liegt auf: Kindheit. Das ist mir kürzlich im Gespräch mit der Sex-Kolumnistin Paula Lambert wieder bewusst geworden. Roland Kaiser, hatte sie mir in Clärchens Ballhaus erzählt, sei ihre "erste erotische Rührung" gewesen. So mit fünf oder sechs. Sie habe sich zwar nie Platten gekauft, aber ihre Roland-Kaiser-Leidenschaft sei immer noch ein bisschen da. Komm mit, nötigte ich sie, und sie hat nicht nein gesagt.

Unsere intellektuelle Annäherung an Kaiser verläuft dann erst einmal etwas unbotmäßig. Während wir auf unseren Plätzen wie sexistische Gören diskutieren, ob man "Roland" eigentlich gut stöhnen könne ("Rolli – nein. Lando: vielleicht"), bewegt sich Kaiser im eleganten Dreiteiler geschmeidig und ohne pseudojugendliche Kaspereien über die Bühne. 64 Jahre ist er alt, zu...

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