Kostenfalle Auto-Leasing: Ein Erfahrungsbericht in der Pandemie

·Journalist
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Bild: Getty
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Die Coronazeit hat dafür gesorgt, dass wir mittlerweile bedeutend weniger unterwegs sind. Unnötige Reisen wurden vermieden, lange Strecken waren strapaziös und unattraktiv, da die Raststätten geschlossen waren, und allgemein gab es weniger Veranstaltungen, Meetings, Messen oder Feiern; wohin also überhaupt reisen? Und vor allem: Warum das Auto unnötig bewegen? Auch die anfallenden Inspektionen haben viele vor sich hergeschoben, weil man in der Corona-Hochphase den zwischenmenschlichen Kontakt möglichst vermeiden wollte.

So ging es auch mir. Ich habe mir Ende 2020 ein echtes Schnäppchen gegönnt: Einen kleinen Jeep-Hybrid, mit dem ich zumeist im Umkreis von 20 Kilometern rein auf Elektrobasis unterwegs bin. Die 50 Kilometer Reichweite reichen für städtische Termine perfekt aus. 370 Euro pro Monat inklusive Versicherung und Wartung („Easy Care”) erschienen auch mehr als günstig. Alleine dass das Fahrzeug im November mit Sommerreifen geliefert wurde, störte mich etwas; so musste ich zwangsläufig eine Werkstatt aufsuchen, um Winterreifen zu kaufen und aufziehen zu lassen. Bewaffnet mit FFP2-Maske und Desinfektionsmittel ging jedoch auch das recht schnell über die Bühne - und mich beruhigte die Gewissheit, dass ich erst nach weiteren 15.000 Kilometern den nächsten unangenehmen Werkstattbesuch vor mir haben würde – so zeigten es jedenfalls der Jeep und die dazugehörige App auch an. Das wenige Fahren kam mir also entgegen, denn in einem Corona-Winter wollte ich trotz der mittlerweile erfolgten Impfung nicht unbedingt unnötige Kontakte riskieren.

Also ging es für mich erst im März zur ersten Inspektion. Dort allerdings erwartete mich eine unangenehme Überraschung: Der Verkaufsberater eröffnete mir, dass für mich die Inspektion nicht kostenlos sei - trotz „Easy Care”. Begründung: Ich sei nicht ein Jahr nach Zulassung des Fahrzeugs aus eigenem Antrieb zur Inspektion gekommen, sondern erst, nachdem das Fahrzeug und die App elektronisch darauf hingewiesen hätten. Und tatsächlich: Im Kleingedruckten von „Easy Care“ fand sich sinngemäß der Passus, dass man sich nach einem Jahr aus freien Stücken zur Inspektion anzumelden habe oder aber, sobald die Kilometerleistung erreicht sei.


Das Kleingedrucke sollte man sehr genau lesen

Es stimmt: Ich habe das Kleingedruckte damals nicht gelesen. Aber Hand aufs Herz: Wer tut das schon? Für mich, der nur eine Jahresleistung von 12.500 Kilometer gebucht hat, wäre es wünschenswert gewesen, wenn mich das Autohaus, bei dem ich den Wagen erworben hatte, auf diesen Umstand hingewiesen hätte. In meinem Fall handelte es sich dabei zwar um ein anderes Autohaus als das, bei dem ich zur Inspektion erschien – doch das spielt keine Rolle. Dem Händler hätte in Kenntnis meiner geringeren Jahreskilometerleistung doch bewusst sein müssen, dass meine erste Inspektion (den „Service bei 15.000 Kilometern“) frühestens nach rund eineinhalb Jahren erreichen würde, rechnet man die Corona-Umstände mit ein.

Es half alles nichts: Über 400 Euro gingen schließlich unnötigerweise über den Tresen. Aber nicht nur das: Durch die „verspätete” Inspektion bin ich jetzt fortan ausschließlich an die Fahrleistung gebunden - und muss bis November dieses Jahres weitere 15.000 Kilometer zurücklegen, um die große Inspektion, die rund 900 Euro kostet, nicht ebenfalls selbst bezahlen zu müssen. Wichtig zu wissen hierbei: Ich habe sämtliche Inspektionen bereits durch meinen abgeschlossenen „Easy Care“-Vertrag bezahlt! Also wird von mir verlangt, für die Inspektionen doppelt zu blechen.

Als Journalist wittere ich bei solchen Geschäftspraktiken zwangsläufig unlautere oder zumindest unseriöse Methoden: Erst wird der Kunde geködert, dann wird ihm eine Falle gestellt und am Ende geht es ihm an den Geldbeutel. Deswegen war es für mich umso interessanter, in Erfahrung zu bringen, ob auch andere Kunden dieselbe Erfahrung mit „Easy Care“ machten und dieser Fall häufiger vorkommt. Und in der Tat: Bereitwillig bekam ich von meinem Verkaufsberater die Information, dass man regelmäßig exakt dasselbe Problem mit Kunden anderer Autohäuser habe. Sehr häufig müssten diese Kunden die fehlende Beratung ausbaden - und doppelt in die Tasche greifen. Also doch keine Falle, aber unglaublich schlechter Service, da der Kunde eh keine weiteren Einnahmen erzeugt.

Jeep sieht das Problem nicht

Ich fragte daraufhin bei der „Jeep“-Pressestelle an und erhielt dort die lapidare Auskunft, dass das von mir beschriebene Problem „sehr vereinzelt, jedoch nicht in auffälliger Zahl“ vorkäme. Die Auskunft meines Autohauses klang da doch ein wenig kritischer. Jeep verwies mich außerdem – richtigerweise – auf die Betriebsanleitung, in der steht, dass bei „Erreichen des Kilometerstandes 15.000 oder nach Ablauf eines Jahres nach Kauf des Fahrzeugs zur ersten Wartung in einer Jeep Vertragswerkstatt angemeldet werden muss.“ Das habe ich auch getan. Dort findet sich allerdings kein Wort darüber, dass die im „Easy Care“ pauschal enthaltenen Inspektionskosten vom Kunden extra getragen werden müssen, sobald er auf elektronischem Weg über die anstehende Inspektion informiert wurde.

Die Pressestelle stellt klar: „Eine App-Anzeige im Display entbindet den Kunden dabei nicht von seiner vertraglichen Verpflichtung“. So deutlich, so unbefriedigend. Unabhängig davon, dass ich mich – wie wohl jeder Kunde – auf die offizielle Jeep-App und die PKW-Anzeige verlassen habe, wäre es mehr als wünschenswert, wenn Jeep auch seine hauseigene App an die „Lebenswirklichkeit” der Kunden und die eigene Betriebsanleitung anpassen würde. Zudem ist die Formulierung in den „Easy Care“-Regeln mehr als missverständlich:

Um die Leistungen in Anspruch nehmen zu können, ist der Kunde verpflichtet, die in der Betriebsanleitung vom Hersteller des Fahrzeuges beschriebenen Eingriffe zu den angegebenen Fälligkeiten (programmierte Wartung) durch den Verkäufer durchführen zu lassen.“ Was eine „programmierte Wartung“ genau sein soll und was sie bedeutet, erschließt sich vermutlich nicht einmal dem juristischen Experten - geschweige denn einem Laien.

Fazit

Am Ende bleibt mir als Kunde wohl nur der Biss in den sauren Apfel, sollte Jeep nicht doch noch eine Kulanzregel finden. Es geht dabei nicht nur darum, Schaden von seinen Kunden abzuwenden, sondern sie langfristig an sich zu binden.

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