Kreml hofft auf Rücknahme des ukrainischen Einreiseverbots für ESC-Kandidatin

Im Streit um die Teilnahme der russischen Kandidatin Samoilowa am ESC ist kein Kompromiss in Sicht: Der russische Staatssender Perwij wies ein Angebot der Europäischen Rundfunkunion zurück, sie könne per Satelliten-Übertragung teilnehmen

Im Streit um die Teilnahme der russischen ESC-Kandidatin Julia Samoilowa an dem Wettbewerb in Kiew hat die Europäische Rundfunkunion (EBU) einen überraschenden Ausweg angeboten: Für den Fall, dass die Ukraine bei ihrem Einreiseverbot für die Sängerin bleibe, könne diese per Live-Schalte am Eurovision Song Contest teilnehmen, erklärte die EBU am Donnerstag in Genf. Zuvor hatte der Kreml die Haltung Kiews erneut kritisiert.

Die EBU teilte mit, sie habe dem russischen Staatssender Perwij (Channel One) angeboten, Samoilowa live "via Satellit" am ESC teilnehmen zu lassen. Sollte sie sich für das Finale qualifizieren, könne ebenso verfahren werden. Ein solches Vorgehen habe es in der 60-jährigen Geschichte des Wettbewerbs noch nicht gegeben, doch sei die Entscheidung getroffen worden, um allen 43 Kandidaten die Möglichkeit zur Teilnahme zu geben, hieß es weiter.

Zuvor hatte Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärt, die ukrainische Entscheidung, Samoilowa nicht zum Eurovision Song Contest nach Kiew zu lassen, sei "extrem ungerecht und schädlich". Moskau hoffe, dass der Entschluss überdacht werde, damit die russische Kandidatin doch an dem Wettbewerb teilnehmen könne.

Der ukrainische Geheimdienst SBU hatte Samoilowa am Mittwoch ein dreijähriges Einreiseverbot erteilt. Grund ist ein Auftritt 2015 bei einem Gala-Konzert auf der Krim. Die 2014 von Moskau annektierte Halbinsel Krim ist einer der Hauptstreitpunkte zwischen Kiew und Moskau. Dazu kommt ein bis heute andauernder bewaffneter Konflikt in der Ostukraine zwischen Kiew-treuen Truppen und prorussischen Separatisten, bei dem bereits mehr als 10.000 Menschen getötet wurden.

Samoilowa hatte sich am Mittwochabend gelassen gezeigt. Sie hoffe weiter auf einen Sinneswandel in Kiew, sagte die im Rollstuhl sitzende Sängerin dem staatlichen Fernsehsender Perwij.

Russische Medien zogen derweil einen Boykott des ESC-Finales am 13. Mai in Betracht. Kein nationaler Sender werde den Wettbewerb übertragen, sagte ein Moderator des Nachrichtensenders Rossija 24 am Donnerstagmorgen.

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