Kreml-kritische Protestband Pussy Riot gibt Konzert in Berlin

Maria Aljochina (l.) und Olga Borissowa im Berliner Funkhaus (AFP/Adam BERRY) (Adam BERRY)

Die Kreml-kritische Protestband Pussy Riot hat am Donnerstagabend mit einem Konzert im Berliner Funkhaus ihre "Riot Days"-Tournee begonnen. Mit der Tournee will die russische Punkrock-Band Geld für die Ukraine sammeln. Bandmitglied Maria Aljochina hatte sich zuvor der Polizeiüberwachung in Russland entzogen und war heimlich ausgereist. Bandmitglieder riefen den Westen bei dem Konzert zu einem noch härteren Vorgehen gegen Russland auf.

Aljochina und Olga Borisova, ein weiteres Bandmitglied, drängten während des Konzerts in Berlin auf ein Gas- und Ölembargo gegen Russland, "denn mit diesem Geld werden wir inhaftiert und auf Demonstrationen verprügelt". Mit den Gewinnen würden "Unterdrückung und Morde an unschuldigen ukrainischen Menschen bezahlt", sagten die Musikerinnen.

Es sei gefährlich, in Russland seine Meinung zu sagen und es gebe inzwischen "eine noch schlimmere Zensur in Russland". So sei es illegal, den Krieg als Krieg zu bezeichnen, "und wir wollen den Krieg als Krieg bezeichnen, weil es ein Krieg ist und kein Sondereinsatz", sagte Aljochina.

Die Musikerin warb zugleich für Solidarität. Das wichtigste sei, "nicht gleichgültig gegenüber der Situation zu sein: Denn Menschen sterben, Menschen in Russland gehen ins Gefängnis. Für mich ist das Hauptübel die Gleichgültigkeit."

Für ihre Ausreise aus Russland hatte sich Aljochina nach eigenen Angaben als Mitarbeiterin eines Essenslieferdienstes ausgegeben und konnte so die Grenze zu Belarus passieren. Später sei es ihr dann nach mehreren Versuchen gelungen, ins EU-Land Litauen einzureisen, sagte sie in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der US-Zeitung "New York Times".

Aljochina war im September wegen ihrer Teilnahme an Demonstrationen für den inhaftierten Regierungskritiker Alexej Nawalny zu einer einjährigen Strafe verurteilt worden. Das Gericht ordnete eine Überwachung an und verhängte eine nächtliche Ausgangssperre gegen Aljochina.

Die Band Pussy Riot war unter anderem mit einer Protestaktion 2012 in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale bekannt geworden. Dort hatte die Gruppe ein "Punk-Gebet" aufgeführt, in dem sie Präsident Wladimir Putin offen kritisierte. Mehrere Bandmitglieder wurden anschließend zu Haftstrafen verurteilt.

hex/pw

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