"Das ist kriminell!" Blankes Entsetzen bei "Rosins Restaurants"

Carmen Schnitzer
·Lesedauer: 4 Min.

Einen handfesten "Skandal" nannte Frank Rosin die Zustände, die er im Restaurant "Op de Limeke" vorfand. Der Sternekoch überlegte sogar, ob er gleich wieder abreisen sollte. Tat er aber nicht. Dafür wurden ihm Essen auf "Pommesbuden-Niveau", Vorwürfe und am Ende sogar ein kleines Wunder serviert.

Frank Rosin, Stefan Kranz
Frank Rosin und Stefan Franz der Inhaber des Restaurants "Op de Limeke" (Bild: Kabel eins)

"Da kannst du auch einen Dolch nehmen und mir den einfach in den Rücken stechen!" Mehrfach stand Restaurantbetreiber Stefan Kranz in der noch vor dem Corona-Lockdown gedrehten Ausgabe von "Rosins Restaurants" unter Schock. Sowohl die Angestellten als auch der Sternekoch Frank Rosin ließen kaum ein gutes Haar an ihm, seinen Speisen und seinem Konzept. War der Landgasthof "Op de Limeke" im westfälischen Verl überhaupt noch zu retten? Anfangs sah es nicht danach aus. Im Gegenteil.

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"Ein Siffstall!"

Dabei war das Ambiente des Restaurants, dessen Name auf Plattdeutsch so viel bedeutet wie "Unter den Linden", eigentlich "Weltklasse": idyllische Lage, ein altes Fachwerkgebäude aus dem Jahr 1773 - "richtig, richtig schön", so Frank Rosin. Beim Billardtisch rollte der Sternekoch bereits mit den Augen und dachte, er müsse "wieder ganz von vorn anfangen". Da hatte er allerdings den Rest noch nicht gesehen, der ihn komplett entsetzte: Die Küche glich eher einer einfachen Haushalts- als einer professionellen Gastroküche und bot mit alten Holzarbeitsplatten einen guten Herd für Bakterien aller Art. Oder, um es mit Rosin zu sagen: einen "Siffstall".

Auch dass die Speisekarte viel Pizza und wenig Authentisches bereithielt, kritisierte der TV-Koch - ehe er aus allen Wolken: überall Chaos, Gerümpel, Schmutz - einzig das Motorrad glänzte im großen Vorrats- und Garagenraum des Restaurants "Op de Limeke" im westfälischen Verl. In den Kühltruhen fand sich überwiegend Fertigware.

Müde Ausreden

"Was ich da gesehen habe, ist meiner Meinung nach kriminell", lautete Rosins hartes Urteil. "So was hab ich ehrlich gesagt noch nie in meinem Leben gesehen." Stefan versuchte, sich herauszureden: Vieles von dem Gerümpel gehöre gar nicht ihm, auch in den Kühlschränken finde sich noch Zeug vom Vorbesitzer. Nach eineinhalb Jahren? Frank Rosin konnte nur den Kopf schütteln. Das übliche Testessen, das normalerweise am Anfang der Neustrukturierung steht, wurde verschoben - bis die Bude auf Vordermann gebracht war. Offenbar zeigten Rosins harte Worte Wirkung, denn als er wiederkam, sah alles schon deutlich besser aus.

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Desaströses Testessen

Das Urteil der mit angerückten Testesser war dennoch vernichtend: Nur 23 von möglichen 50 Punkten konnten Stefan und sein Team holen. Und das auch nur, weil immerhin der freundliche, aber überforderte Service 6 Punkte bekam und das Ambiente 7.

Stefan Kranz selbst war vor lauter Nervosität keine Hilfe, seine Mitarbeiterin Inga Dick (38) gab zu: "Er stand eigentlich ein bisschen im Weg." Souveränität sieht anders aus, das war und blieb ein großes Manko, wie Frank Rosin immer wieder betonte, der auch ein wenig in seiner Ehre gekränkt war. Dass so viele Laien wie der gelernte Kaufmann Stefan glaubten, sich einfach nur ein bisschen einlesen zu müssen, um ein Restaurant zu führen, schien ihn gehörig zu wurmen. Allein der patenten Küchenhilfe Inga, die notgedrungen das Ruder an sich gerissen hatte, war zu verdanken, dass Rosin nicht das Handtuch warf: "Wenn du nicht hier wärst, wär' ich auch nicht mehr hier."

Wunder geschehen

Nach dem Testessen war klar, woran es - neben dem Chaos - haperte: "Es fehlt die Individualität, die Liebe zum Kochen!" Intensives Küchen-Coaching war daher angesagt, bei dem sich Stefan immerhin als williger Schüler erwies. Immer wieder gab es vorsichtiges Lob des Sternekochs, alles schien sich langsam zum Guten zu wenden. Bis der nächste Schock ins Haus stand: Auf den Spruch, Stefan sei "schon echt'n Flusenbieger", erntete Frank vielsagende Blicke von Inga und kitzelte aus ihr heraus, dass der Chef wohl wenig kritikfähig sei und Vorschläge des Teams ignoriere.

Als Rosin sie daraufhin ermunterte, das diesem persönlich zu sagen, eskalierte die Situation völlig: Stefan war tief getroffen von der Aussage seiner langjährigen Freundin. Die stellte klar, dass er ein "super Mensch und ein ganz herzlicher Chef" sei, Veränderungen allerdings nur sehr langsam umsetze. Oder erst nach einem gehörigen Tritt in den Hintern von einem Sternekoch: Als Rosin beim nächsten Besuch seine Kochkünste lobte ("Mega! Die Sauce ist der Hammer!"), huschte ein scheues Lächeln über Stefans Gesicht. Und das zweite Testessen mit frischer, gutbürgerlicher Kost wurde ein voller Erfolg! 44 von 50 Punkten gab es diesmal - von den Testessern wie auch von Rosin selbst, der sich freute: "Wunder gibt es immer wieder!"

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