Kritik an Victoria’s Secret: “Wir verdienen alle Flügel!”

Nina Baum
Freie Autorin für Yahoo Style
US-Model Devon Windsor schwebt bei der Victoria’s Secret-Show über den Laufsteg – sie ist genauso dünn, glatt und groß wie alle anderen Models bei der Präsentation. Die fehlende Diversität der Show gerät derzeit zunehmend in die Kritik. (Bild: Getty Images)

Bloggerin Sarah Nicole setzt sich für Selbstliebe und Vielfalt ein. Attribute, die sie bei der Show von Victoria’s Secret vermisste. Jetzt übt sie scharfe Kritik an dem Lingerie-Event und erhält dafür weltweit Zustimmung.

Die Kanadierin Sarah Nicole schreibt auf ihrem Blog “The Birds Papaya” über ihre ganz persönliche Geschichte, über ihr Leben als geschiedene Mutter von drei Kindern, über ihren Gewichtsverlust von fast 50 Kilo und ihren langen Weg zur Selbstliebe. Auf diese Reise nahm die 33-Jährige ihre Leser und Follower via Instagram mit. Statt ums Abnehmen geht es bei ihr jedoch vor allem um Selbstakzeptanz. Mutig stellt sie all ihre von anderen häufig als “Makel” bezeichneten Details zur Schau: Von Schwangerschaftsstreifen bis hin zu Hüftspeck. Dinge, die für den Großteil der Menschheit völlig normal sind – die man auf dem Laufsteg der legendären Victoria’s Secret aber definitiv nicht findet.

Wäsche-Selfie geht viral

Und genau das ist ihre Kritik. Auf Instagram postete sie ein Bild von sich in schwarzer Unterwäsche. Mit einem Bildbearbeitungsprogramm hat sie sich selbst Flügel verliehen und wendet sich in ihrem Posting an die Planer der Show.


“Es ist okay VS. Ich brauche weder euch, noch euren Laufsteg. Ich brauche es, meinen Körper zu lieben. Ich muss andere daran erinnern, ihren zu lieben. Eure Fantasie ist nicht meine Fantasie. Und mein Geld wird nicht euer Geld sein. Alle Frauen sind Engel. Wir verdienen alle Flügel.”

Über den angefügten Hashtag #EveryWomanIsAnAngel kann man auf Instagram mittlerweile etliche Frauen finden, die sich selbst Flügel verliehen haben. Die große Resonanz habe sie selbst überrascht, wie sie gegenüber “Yahoo Kanada” angab: “In der Nacht posteten immer mehr Leute ihre eigenen Versionen und ich habe zugeguckt, wie Frauen stolz aufgestanden sind und ihre eigenen Statements gemacht haben.”


Victoria’s Secret Chef Ed Razek denkt, dass Plus-Size- und Transfrauen nicht in ihren Shows und Kampagnen auftauchen sollten, denn sie seien ‘keine Fantasie’ und daran gäbe es ‘kein Interesse’”

Kritik an Victoria’s Secret-Chef

Ihr Post ist die Reaktion der Kanadierin auf ein Interview, das Victoria’s-Secret-Chef Edward Razek dem Magazin “Teen Vogue” gab. Hier antwortete er auf die Frage, ob man nicht auch Plus-Size- und Transgender-Models auf den VS-Catwalk holen sollte: “Nein, ich denke nicht, dass wir das sollten. Nun, warum nicht? Weil die Show eine Fantasie ist.”

Victoria’s Secret-Chef Edward Razek steht für einige Aussagen in der Kritik. Hier posiert er mit Topmodel Lily Aldridge. (Bild: Getty Images)

Für Bloggerin Sarah Nicole eine Absage an Diversität und eine positive Einstellung zum Frauenkörper. “Es hat mich echt getroffen, als sie sagten, sie grenzen Plus-Size- und Trans-Models bewusst aus.” Das führe auch dazu, dass sich Frauen untereinander anders betrachten. Das Schlimmste sei jedoch die Message, die sie zwischen den Zeilen las: “Wenn du nicht in ihre Größen passt, fang nicht an die Marke zu hassen, verlier einfach Gewicht.” Ihrer Meinung nach eine selbstzerstörerische Nachricht, gerade für junge Frauen.