Krypto-Crash! Droht jetzt das Ende des Bitcoin-Höhenflugs?

Nils Jacobsen
·Wirtschaftsjournalist und Techblogger
·Lesedauer: 5 Min.

Aus dem Nichts ist der Bitcoin am Wochenende um rund 15 Prozent in die Tiefe gerauscht und hat beim freien Fall den ganzen Kryptosektor mitgerissen. Immerhin: die 50.000-Dollarmarke hielt vorerst. Doch droht Hodlern und Bitcoin-Neulingen nun das Ende der Krypto-Party?

Bitcoin in Turbulenzen
Bitcoin in Turbulenzen

Vielflieger kennen das Gefühl: Erst ruckelt es ein bisschen, dann treten Turbulenzen auf und schließlich sackt man beim Durchfliegen eines Luftlochs spürbar ab. Die Erfahrung des freien Falls müssen auch Bitcoiner immer wieder machen: Die Hartgesottenen – die sogenannten „Hodler’ – ficht sie nicht an, während die Newbies den Schreck ihrer noch jungen Anlegerkarriere erleben.

Samstagnacht war es wieder so weit: Zunächst tendierte der Bitcoin ein paar Prozent schwächer, nachdem er sich bereits die zweite Wochenhälfte wieder von seiner neuen Bestmarke bei knapp 65.000 Dollar entfernt hatte. Würde die Unterstützung bei 60.000 Dollar halten, die sich in den vergangenen Wochen wie ein Bollwerk aufgebaut hatte?

Bitcoin mit 8000-Dollar-Crash in einer Stunde

Sie hielt nicht. In den frühen Morgenstunden des Sonntags fiel Bitcoin unter die 60.000er-Marke und wurde in der Folge schnell durch die nächsten 1000-Dollar-Barrieren gereicht. Nachdem der Ausverkauf auch bei 56.000 Dollar nicht zum Stillstand kam, kam es ganz dick: Binnen Sekunden zog eine Verkaufswelle die wertvollste Kryptowährung der Welt bis auf 52.000 Dollar in die Tiefe.

So geht’s zu an den Kryptobörsen: Die Kurse scheinen endlos zu steigen, doch wenn sie einmal fallen, kann es so schnell gehen wie bei wohl keiner anderen Anlageklasse der Welt. Binnen wenigen Ticks können die Zuwächse von Wochen, wenn nicht Monaten vernichtet werden. Zu Erinnerung: Bei 52.000 Dollar notierte Bitcoin auch schon mal Mitte Februar.

Abschwächendes Momentum seit zwei Monaten

Nach den spektakulären Zugewinnen des letzten Halbjahres hat sich das Aufwärtsmomentum in den vergangenen zwei Monaten jedoch sichtbar das verlangsamt. Das bisherige Ende Februar aufgestellte Allzeithoch bei 57.000 Dollar wurde von der wertvollsten Cyberdevise der Welt zwar rund drei Wochen später im März abermals verbessert, aber nur noch marginal bei 61.000 Dollar.

Der Bitcoin tauchte dann einen weiteren Monat in eine Konsolidierungsphase ab, in der gleich drei Versuche scheiterten, die 60.000-Dollarmarke nachhaltig zurückzuerobern. Erst im vierten Anlauf klappte es mit dem Sprung auf knapp 65.000 Dollar unmittelbar vor dem mit Spannung erwarteten Direktlisting von Coinbase, das von vielen Marktbeobachtern als neue Initialzündung für den nächsten Rallyeschub betrachtet wurde.

Gründe für den Ausverkauf: Coinbase-IPO, China, USA

Doch es kam genau anders. Zunächst einmal verlief das Coinbase-Direktlisting anders als erwartet. Zwar konnte die wertvollste Krypto-Handelsplattform der USA aus dem Stand leicht den zuvor gesetzten Referenzkurs von 250 Dollar überbieten und schnell auf Kurse von 420 Dollar emporschießen, doch dann übernahmen die Verkäufer das Heft des Handels.

Bis auf Kurse von 310 Dollar stürzte die hoch gewettete Coinbase-Aktie am ersten Handelstag ab und erholte sich in der Folge nur zögerlich. Am Wochenende machte zudem die Nachricht die Runde, dass das Coinbase-Management große Teile ihrer Aktienpakete direkt nach dem Direktlisting veräußert haben, was kaum als vertrauensbildende Maßnahme betrachtet werden dürfte.

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Auch Gerüchte aus China und USA belasten

Ausgelöst haben dürften die scharfe Ausverkaufswelle im Wochenendhandel unterdessen zwei unübersichtliche Gerüchte aus den beiden größten Volkswirtschaften der Welt. Einerseits irritierte der massive Abfall der sogenannten Hashrate in China, die die Rechenleistung der Mining-Aktivität angibt. Schnell flammte auf Twitter die jahrelange Spekulation wieder auf, im bevölkerungsreichsten Land der Welt könnte das Bitcoin-Mining möglicherweise verboten werden, während andere Quellen lediglich vom Stromausfall in einigen Provinzen berichteten.

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Jenseits des Atlantiks kursierte unterdessen das Gerücht, das US-Finanzministerium könnte einzelne Finanzinstitutionen wegen Geldwäsche mit Kryptowährungen vorgehen. Bestätigt ist weder das eine noch das andere.

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Wie schlimm ist der Absturz?

Obwohl Schnäppchenjäger am Sonntag ihre mögliche Einstiegschance beim Bitcoin witterten und den Einbruch kauften („Buy the dip“), bleibt auf 24-Stunden-Sicht auch bei Kursen um 56.000 Dollar ein Verlust von knapp zehn Prozent. Charttechnisch ist Bitcoin nach dem jüngsten unerwarteten Absturz damit angeschlagen.

Nach Einschätzung der Analystin Katie Stockton von Fairlead Strategies wäre der Rückfall unter die Marke von 56.283 Dollar, wo sich der 50-Tagesdurchschnitt befindet, ein negativer Indikator, der einen weiteren Ausverkauf bis auf die Marke des Januarhochs bei 42.000 Dollar triggern könnte. Zum Start der neuen Handelswoche notierte die 12 Jahre alte Kryptowährung bei 56.500 Zählern jedoch hauchdünn über der Unterstützungslinie.

Bitcoin-Einbruch: „FUD“ oder Beginn einer tieferen Korrektur?

Für unbeirrbare Bitcoin-Bullen ist der Wochenend-Schock, der binnen weniger Stunden kurzzeitig die Marktkapitalisierung von fast 150 Milliarden Dollar ausradierte, nicht mehr als eine weitere „FUD“-Episode. So bezeichnen Hodler nämlich die kurzen Schockmomente: als "Fear, Uncertainty and Doubt" (Angst, Unsicherheit und Zweifel). 

Entsprechend spannungsgeladen startet die neue Handelswoche, in der Bitcoin erstmals seit dem Beginn des jüngsten Aufwärtszyklus, der im vergangenen Herbst startete, unter erhöhtem Performance-Druck steht.

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