Kubanischer Künstler bringt Hoffnung mit Kinderporträts

Das Porträt eines Mädchens in Havanna. Foto: Guillermo Nova

Riesige Kindergesichter, gemalt in Grautönen, blicken von den zerbröckelten Mauern eines Stadtviertels der kubanischen Hauptstadt Havanna auf die Passanten. Es sind «Los Colosos» (etwa: die Riesen) des kubanischen Malers Maisel López, der Kunst auf die Straße bringen will und vergessene Mauern zu Leinwänden macht.

«Mit den Wandbildern stelle ich für alle aus», sagt López der Deutschen Presse-Agentur.

Die Idee kam ihm 2015, sagt er. Der kubanische Schriftsteller und Nationalheld José Martí (1853-1895) habe ihn mit seiner Aussage inspiriert, «die Kinder sind die Hoffnung der Welt». Seitdem habe er 30 Wandbilder in den Straßen von Havanna gemalt. «Kinder sind die Grundlage für die Entwicklung einer Nation und ihrer Zukunft als Land. Deshalb habe ich sie größer gemacht und sie in Riesen verwandelt», sagt López (Jahrgang 1985).

Sonst kleben auf den Mauern der Stadt nur politische Plakate mit Regierungspropaganda. Kommerzielle Werbung ist verboten. Die Wandbilder von López haben das Straßenbild verändert.

Bevor er anfängt zu malen, fragt der Künstler bei den Behörden und bei den Besitzern der Mauern um Erlaubnis. Früher sei das schwierig gewesen, weil die Idee neu war. Doch heute sei es anders. Auch Eltern sprächen ihn an, damit er ihre Kinder male. «Ich will mein Werk in andere Viertel bringen», so López. An einem Bild arbeitet er bis zu einer Woche. Die abgebildeten Kinder sind zwischen zwei und acht Jahre alt und kommen aus der Gegend, in der das Kunstwerk entsteht - natürlich immer mit Zustimmung der Eltern. «Ich nehme kein Geld für die Wandbilder, und ich will mir nichts finanzieren lassen. Meine Kunst ist für alle, und ich will mir nicht vorschreiben lassen, wo ich male oder wen ich male. Ich bin autonom», erklärt der Künstler.

Seine Straßenkunst finanziert er mit dem Verkauf von Bildern auf Leinwand innerhalb Kubas und im Ausland. Für seine Arbeit verwendet er preisgünstige Materialien wie Ölfarbe sowie wasserfeste und Acrylfarben wegen ihrer Haltbarkeit. Denn das karibische Klima setzt den Bildern zu. Wegen der Witterung und der hohen Luftfeuchtigkeit muss López seine Wandbilder alle sechs Monate restaurieren.

Die ausdrucksvollen Blicke der dargestellten Kinder ziehen die Aufmerksamkeit vieler Passanten auf sich. «Mich interessiert sehr, wie der Blick der Kinder mit der Öffentlichkeit in Dialog tritt und einen Interaktionspunkt schafft, der einlädt, das Werk zu betrachten», sagt der Künstler. Neben der Planung seiner Gemälde ist für ihn die Reaktion seiner Modelle auf das fertige Bild der schwierigste Moment: «Die Kinder machen dir nichts vor. Sie sagen immer, was sie denken. Sie sind sehr ehrlich, und sie sind die größten Kritiker meiner Arbeit.»

Webseite von Maisel López (spanisch)

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