Kultur: Religion ist auch Kopfsache

Das Jüdische Museum zeigt in der Ausstellung „Cherchez la femme“, welche teils strengen Kleidervorschriften gelten.

Großmutter trug ein Kopftuch. Damit spazierte sie durch Berlin, was völlig normal war. Meine Erinnerungen daran sind zuverlässig. Seidentücher galten als chic. Im Fernsehen führte Grace Kelly elegante Kopftücher vor, überhaupt prägten Hollywood-Filme das Weltbild, wonach schöne Frauen, Ca­brios und Kopftücher irgendwie zusammengehörten. Irgendwann wurde es ruhiger ums Kopftuch, bis es vor einigen Jahren von heftigen Diskussionen begleitet wieder auftauchte. "Die muslimische Kopfbedeckung konfrontiert den Westen mit der Rückkehr der Religion in den öffentlichen Raum", heißt es in der Ausstellung "Cherchez la femme. Perücke, Burka, Ordenstracht" im Jüdischen Museum Berlin. Es geht um Kleidervorschriften und somit um das Frauenbild in den drei abrahamitischen Religionen.

Es ist eine eher kleine, aber empfehlenswerte Ausstellung, sie bietet viel Stoff zum Streiten und Lernen. Die Schau ist ebenso politisch wie feministisch, historisch und voller aktueller Skurrilitäten. Bereits beim Presserundgang am Donnerstag gibt es deutlich kontroverse Ansichten unter den Anwesenden. Dabei führt Cilly Kugelmann, die Programmdirektorin des Museums, mit einer fröhlichen Leichtigkeit in die Thematik ein. Sie hat sich einen Fascinator ins Haar gesteckt und fremdelt sichtlich damit. Sie nennt den schwarzen Haarreif mit Schleife ein Osterei. Aber seit Kate Middleton zur höfischen Stilikone wurde, tragen in Großbritannien viele Frauen in den Synagogen gerne Fascinators. Das sei nicht nur modisch, so ...

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