Höhere Einbußen für Großanleger der Bank of Cyprus

Ermittlungen gegen zyprische Politiker wegen Krediten

Im Zuge des Finanzdramas um Zypern müssen Großanleger bei der Bank of Cyprus mit höheren Einbußen rechnen als bisher angenommen. 37,5 Prozent der Guthaben von mehr als 100.000 Euro bei der größten Bank des Landes werden offiziellen Angaben zufolge in Aktienkapital umgewandelt. Aber weitere 22,5 Prozent sollen für drei Monate eingefroren werden, bis feststehe, ob weitere Abgaben erforderlich seien.

Der Abgeordnete Marios Mavrides der konservativen Regierungspartei Disy von Staatschef Nikos Anastasiades sagte der Nachrichtenagentur AFP, die restlichen 40 Prozent würden sechs Monate lang auf einem Konto "blockiert". Damit solle verhindert werden, dass die Anleger ihr gesamtes verbliebenes Guthaben abhöben. Am Ende sollten sie ihr Guthaben jedoch zurückerhalten. Für Unternehmen, die keinen Zugang zu ihrem Kapital hätten, sei das allerdings problematisch, obwohl sie ihr Geld nicht verlören, warnte der Parlamentarier.

Mario Skandalis, Führungskraft der Bank of Cyprus, bestätigte das Verfahren. "Vorläufige Berechnungen" hätten eine Abgabe von 37,5 Prozent ergeben, das sei aber "nicht die Endziffer", denn einige Konten würden "ausgenommen". Sollte sich zeigen, dass die Summe für den von Zypern geforderten Eigenanteil am Fianzhilfspaket nicht ausreiche, werde die Abgabe erhöht. Es könnten "40 Prozent oder mehr" sein. Auch 60 Prozent seien eine Möglichkeit, er rechne aber eher nicht damit. Bis Montag werde es hoffentlich eine Mitteilung dazu geben.

Unter dem Druck der Europäischen Union, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds soll die Bank of Cyprus die Laiki Trapeza (Volksbank), die zweitgrößte Bank des Inselstaats, übernehmen. Die Laiki soll abgewickelt, Tausende ihrer Angestellten in die Arbeitslosigkeit entlassen werden. Zypern hatte im Gegenzug für zugesagte Milliardenkredite die Umstrukturierung des Bankensektors angekündigt und die umstrittenen Bankenabgaben verfügt.

Die zyprischen Behörden kündigten unterdessen Ermittlungen zu Medienberichten an, wonach Politiker, ihre Angehörigen und ihnen nahestehende Firmen den drei Geldhäusern Bank of Cyprus, Laiki und Hellenic Bank in den vergangenen fünf Jahren Kredite nicht zurückzahlten. Regierungssprecher Christos Stylianides sagte, die Regierung bekräftige ihren "Willen, allen Aspekten der Krise im Bankenbereich nachzugehen".

Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn äußerte sich skeptisch, dass Zypern durch das internationale Hilfspaket tatsächlich "gerettet" ist. Von der geplanten Abgabe auf Bankeinlagen über 100.000 Euro seien auch zahlreiche kleinere und mittlere Betriebe in Zypern betroffen, sagte er dem "Tagesspiegel". Zudem sei damit zu rechnen, dass die Arbeitslosigkeit in Zypern "dramatisch steigen" werde.

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